Eine Schlagzeile in der Tageszeitung hat mich inspiriert mehr über die Perlenbachtalsperre, eigentlich Perlenbachtalsperre zu erfahren. Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte ich etwas falsch recherchiert haben, sag einfach Bescheid.
Der Perlenbach entspringt nicht direkt an der Perlenbachtalsperre, sondern im belgischen Hohen Venn. Dort trägt er zunächst den Namen Schwalmbach. Seine Quellbäche liegen auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn nahe Rocherath-Krinkelt. Erst nach mehreren Zuflüssen und kurz vor der deutsch-belgischen Grenze wird der Bach Perlenbach genannt. Er fließt anschließend durch die Eifel, wird zur Trinkwassergewinnung in der Perlenbachtalsperre aufgestaut und mündet bei Monschau in die Rur.wikipedia+1
Die Perlenbachtalsperre in der Nordeifel ist ein wichtiger Trinkwasserspeicher für rund 50.000 Menschen. Der trockene Sommer 2026 zeigt jedoch, dass ihre Kapazität bei langen Niedrigwasserphasen knapp werden kann. Nach aktuellen Berichten reicht der Vorrat voraussichtlich nur noch bis Anfang Oktober.
Das bedeutet nicht, dass anschließend sofort kein Wasser mehr aus den Leitungen kommt. Für solche Situationen gibt es eine Ersatzwasserversorgung über das regionale Verbundsystem. Die Lage macht aber deutlich, wie wichtig zusätzliche Speicher, zuverlässige Verbundleitungen und ein sparsamer Umgang mit Wasser sind.
Perlbachtalsperre Quelle: der eifelyeti
Warum das Wasser knapp wird
Die Perlenbachtalsperre speichert rund 800.000 Kubikmeter Wasser. Ihr Einzugsgebiet umfasst etwa 64,4 Quadratkilometer und liegt zu großen Teilen auf belgischem Gebiet. Die Anlage wurde ursprünglich für ein kleineres Versorgungsgebiet gebaut. Heute sind mehr Kommunen und mehr Menschen von ihr abhängig.
Das Problem ist weniger, dass grundsätzlich kein Wasser in die Region gelangt. In niederschlagsreichen Zeiten gibt es erhebliche Zuflüsse. Die Talsperre ist jedoch relativ klein und kann deshalb nur begrenzte Mengen für trockene Sommer zurückhalten. Wenn über Wochen kaum Regen fällt, sinkt der Vorrat schnell.
Am 16. September 2026 zeigte das Wasserwerk einen Talsperreninhalt von rund 310.930 Kubikmetern an. Dieser Wert ist eine Momentaufnahme und verändert sich durch Zuflüsse und Entnahmen. Er verdeutlicht aber, wie stark der Speicher in dieser Trockenphase beansprucht wird.
Geplante Erweiterung
Um die Versorgung sicherer zu machen, soll die Talsperre nach bisherigen Planungen vergrößert werden. Vorgesehen ist eine Erhöhung des Damms um etwa acht Meter. Das Speichervolumen könnte dadurch von rund 800.000 auf etwa 2,3 Millionen Kubikmeter steigen.
Der Zweck wäre vor allem, in nassen Monaten mehr Wasser zurückzuhalten und längere Trockenzeiten zu überbrücken. Eine größere Talsperre würde nicht automatisch mehr Wasser erzeugen. Sie würde aber die Reserve deutlich vergrößern und die Abhängigkeit von kurzfristigem Ersatzwasser verringern.
Für das Projekt werden Kosten von ungefähr 30 bis 35 Millionen Euro und eine mehrjährige Planungs- und Bauphase genannt. Zusätzlich müssten unter anderem Verkehrswege, Wanderwege und Leitungen angepasst werden. Auch Grundstücksfragen sowie Natur- und Gewässerschutz wären zu klären.
Quelle Foto: wikipedia
Lohnt sich der Ausbau?
Die Wirtschaftlichkeit hängt davon ab, wie häufig Trockenjahre künftig auftreten. Bei einer seltenen Ausnahmesituation wäre die Investition schwerer zu rechtfertigen. Wenn lange Trockenperioden jedoch regelmäßig vorkommen, kann ein größerer Speicher wirtschaftliche Vorteile bringen.
Mögliche Vorteile sind:
- weniger und kürzere Ersatzwasserbezüge;
- höhere Versorgungssicherheit für Haushalte und Betriebe;
- geringere Abhängigkeit von benachbarten Wasserwerken;
- mehr Reserven bei Hitze und lang anhaltender Trockenheit;
- zusätzliche Sicherheit für den Katastrophenschutz.
Dem stehen hohe Baukosten, ökologische Eingriffe und laufende Betriebsaufwendungen gegenüber. Eine seriöse Entscheidung müsste deshalb nicht nur die Baukosten betrachten, sondern auch die Kosten wiederholter Notbetriebe, zusätzlicher Leitungen und möglicher Versorgungsausfälle.
Die geplante Erweiterung wäre allerdings keine alleinige Lösung. Wenn mehrere Talsperren der Region gleichzeitig Niedrigwasser führen, bleiben Verbundleitungen und Ersatzlieferungen notwendig.
Waldbrände verschärfen die Lage
Die Waldbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn im August 2026 haben gezeigt, dass Talsperren in Trockenperioden mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen müssen.
Beim Brand im Hürtgenwald entnahmen Löschhubschrauber Wasser aus der Wehebachtalsperre. Zusätzlich wurden Tankfahrzeuge, mobile Wasserbecken und eine provisorische Leitung eingesetzt. Die Wehebachtalsperre lag während des Einsatzes deutlich unter ihrem üblichen Zielstand.
Beim Großbrand im belgischen Hohen Venn wurde auch Wasser aus dem Raum Monschau genutzt. Tankfahrzeuge transportierten Wasser aus der Perlenbachtalsperre zu den Einsatzstellen. Dort wurde es unter anderem eingesetzt, um Schutzstreifen und gefährdete Bereiche zu bewässern. Gleichzeitig kamen weitere Talsperren zum Einsatz, darunter die Gileppe-, Weser- und Oleftalsperre.
Die zusätzliche Wasserentnahme war nicht die Hauptursache für den niedrigen Stand der Perlenbachtalsperre. Entscheidend war die monatelange Trockenheit. Die Löscharbeiten erhöhten den Druck auf den Speicher jedoch zusätzlich. Medien berichteten außerdem über vorübergehende Eintrübungen im Trinkwassernetz, die im Zusammenhang mit der erhöhten Entnahme standen und anschließend kontrolliert werden mussten.
Die Brände zeigen damit, dass Trinkwasserspeicher auch als wichtige Löschwasserreserven dienen. Bei der Planung einer Erweiterung sollten deshalb nicht nur Haushaltsverbrauch und Trockenjahre berücksichtigt werden, sondern auch die Anforderungen des Katastrophenschutzes.
Ersatzwasserversorgung
Für den Notfall gibt es eine Verbindung zum regionalen Verbundsystem der WAG. Darüber kann Wasser aus dem Bereich der Dreilägerbachtalsperre in das Versorgungsgebiet des Wasserwerks Perlenbach eingespeist werden. Die Umstellung kann schrittweise erfolgen, zunächst für einzelne Ortslagen und bei größerem Bedarf für weitere Teile des Netzes.
Das verhindert, dass die Perlenbachtalsperre vollständig leer genutzt werden muss. Die Ersatzversorgung ist jedoch keine unbegrenzte Reserve. Sie setzt voraus, dass in den angeschlossenen Talsperren ausreichend Wasser vorhanden ist und Leitungen, Pumpwerke und Aufbereitungsanlagen funktionieren.
Besonders kritisch wäre eine Situation, in der mehrere Talsperren der Region gleichzeitig unter Niedrigwasser leiden. Dann könnten auch benachbarte Wasserwerke nur begrenzte Mengen liefern.
Flussperlmuschel und Gewässerschutz
Der Perlenbach ist ökologisch besonders wertvoll. Er beherbergt die letzte bekannte Flussperlmuschelpopulation Nordrhein-Westfalens. Die Tiere benötigen sauberes, sauerstoffreiches und dauerhaft wasserführendes Gewässer.
Deshalb muss auch bei niedrigem Talsperrenstand eine Mindestwassermenge in den Perlenbach abgegeben werden. Nicht das gesamte gespeicherte Wasser kann somit für Trinkwasser oder Löscharbeiten verwendet werden. Bei einer Erweiterung müssen Trinkwasserversorgung, Brandschutz und Artenschutz gemeinsam geplant werden.
Quelle Foto: www.umwelt.nrw.de
Fazit
Die Perlenbachtalsperre ist für die Region weit mehr als ein Trinkwasserspeicher. Sie ist Teil der regionalen Notwasserversorgung, kann bei Waldbränden als Löschwasserquelle dienen und beeinflusst zugleich ein besonders wertvolles Fließgewässer.
Die geplante Vergrößerung auf etwa 2,3 Millionen Kubikmeter könnte die Versorgungssicherheit bei häufigeren Trockenjahren deutlich erhöhen. Sie ersetzt jedoch weder die Verbindung zu anderen Talsperren noch ein abgestimmtes Löschwasserkonzept. Die sinnvollste Lösung dürfte deshalb aus mehreren Bausteinen bestehen: größerer Speicher, leistungsfähige Verbundleitungen, mobile Löschwasserreserven, sparsamer Verbrauch und konsequenter Schutz des Perlenbachs.
Stand der Angaben: September 2026. Pegelstände, Planungen und Einsatzdaten können sich ändern.
Quellen
- Wasserwerk Perlenbach – aktuelle Wasserstände und Informationen
- Wasserwerk Perlenbach – Perlenbachtalsperre und Rohwassergewinnung
- Wasserwerk Perlenbach – Ersatzwasserversorgung
- Wasserwerk Perlenbach – Versorgungssicherheit
- Aachener Zeitung – Wasser reicht voraussichtlich bis Anfang Oktober
- Kreis Düren – Waldbrand im Hürtgenwald
- t-online – Löschhubschrauber an der Wehebachtalsperre
- DIE ZEIT – Waldbrand im Hohen Venn
- Radio Euskirchen – Wasser aus der Oleftalsperre



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