Montagsstarter 38/26 Wenn das Handy Pause hat – Gedanken über KI, Schule und Gehirnstruktur

Über künstliche Euphorie und digitale Abhängigkeit

Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer guten Freundin. Sie hatte sich am Wochenende einige Berichte über die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) angeschaut – und wie so oft hat mich der Austausch danach weiterbeschäftigt.

Die Wahrheit ist ja: KI ist längst überall. Selbst wenn wir sie nicht bewusst nutzen, bestimmt sie oft schon im Hintergrund mehr von unserem Alltag, als wir ahnen. Das brachte mich auf den Gedanken, mich tiefer mit dem Thema der psychischen Abhängigkeit von KI zu beschäftigen. Denn das geht manchmal viel schneller, als man denkt.

Obwohl die grundlegende Technik hinter den meisten KI-Systemen ähnlich ist, unterscheiden sie sich stark durch die Vorgaben und Anweisungen ihrer Entwickler. ChatGPT zum Beispiel ist als Sprachmodell darauf getrimmt, extrem hilfreich, höflich und motivierend zu sein – eine Art digitaler „Ja-Sager“. Das klingt im ersten Moment positiv, birgt aber auch Gefahren: Durch dieses dauerhaft künstliche Bestätigen entsteht schnell eine Art künstliche Euphorie, die uns leicht in ihren Bann ziehen kann.

Das Thema ist natürlich viel zu umfangreich für einen kurzen Einleitungstext zum Start in die Woche – deshalb belasse ich es für heute bei diesem Denkanstoß und steige direkt in meinen Montagsstarter ein:

Wahrlich kurios ist wie wenig wir uns häufig damit auseinandersetzen, was uns im Alltag eigentlich beeinflusst. Wir laufen oft auf automatischem Pilotmodus und nehmen neue Technologien oder Algorithmen dankbar hin, solange sie bequem sind – ohne zu hinterfragen, was sie mit unserer Psyche machen. Dabei prägt jeder ununterbrochene Medienkonsum und jede digitale Interaktion auf feine Weise unsere Verhaltensmuster. Erst wenn wir bewusst innehalten, merken wir überhaupt, wie schleichend diese Mechanismen unser Denken verändern.

Wusstest du, dass die Gefahr der Abhängigkeit keine reine Frage der Jugend ist? Zwar nutzen Über-50-Jährige KI-Tools im Alltag bisher seltener als die jüngere Generation, aber wenn sie als emotionale Stütze oder Gesprächspartner genutzt werden, greift das Prinzip der künstlichen Euphorie genauso schleichend. Das Gehirn unterscheidet in puncto Belohnung nämlich nicht nach Alter, sobald man sich an die ständige Bestätigung gewöhnt hat.

❸ Für mich ist genau das ein guter Grund, achtsam zu bleiben und sich nicht von der künstlichen Welt einlullen zu lassen. Wer sich dauerhaft von Algorithmen bestätigen lässt, riskiert, den gesunden Menschenverstand auszuschalten und Entscheidungen zu treffen, die man sonst nie so getroffen hätte. Kein KI-Schulterklopfen ersetzt das echte Leben – und schon gar nicht unser eigenes, kritisches Denken.

Ginge es nach mir, dann sollte die KI-Nutzung schon längst als eigenes Fach auf dem Stundenplan stehen – nicht um zu lernen, wie man sich die Hausaufgaben einfach macht, sondern wie man geistig unabhängig bleibt. Und was die Generation Ü50 betrifft: Gerade, wenn Einsamkeit eine Rolle spielt, wird es umso wichtiger, wieder echte Wege zueinander zu finden. Schließlich verändern nur echte, gemeinsame Erlebnisse unsere Gehirnstruktur nachhaltig zum Positiven – kein Algorithmus der Welt kann diese tiefgreifende menschliche Resonanz ersetzen.

❺ Diese Gedanken beschäftigen mich schon seit längerem. Genau deshalb habe ich für mich die Handy- und PC freie Zeit wieder entdeckt. Fernsehen, ohne nebenbei auf das Handy zuschauen. Gar nicht so einfach diese Gewohnheit abzulegen. Auch Die Mitbewohnerin reduziert gerade drastisch ihre Zeiten am mobilen Endgerät. Weil sie das Gefühl hat, ihr geht etwas verloren. Auch wenn sich das gar nicht so leicht in Worte fassen lässt.

Diese Woche beginnt mit der Klassenpflegschaft der elften Klasse. Ich habe bereits an anderer Stelle erwähnt, dass ich mittlerweile seit 29 Jahren solche Veranstaltungen besuche. Was soll ich dir sagen – es hat sich nichts geändert. Ablauf, Teilnehmer, Lehrer. Alles wie immer.

Im Kalender steht heute die Klassenpflegschaftssitzung und ich habe diese Woche einen Besuch bei der Bäckermeisterin geplant. Die hat nämlich Geburtstag. Außerdem freue ich mich auf ein Treffen mit einer „kleinen Leserin“.

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