Mein Balkon, der Zitronenthymian und die Sache mit dem richtigen Gärtnern

Balkongarten

Nachdem ich zu Beginn des Jahres meine beiden Balkone stark vernachlässigt hatte, wollte ich die Ferienzeit nutzen, alles richtig zu machen.

Nach den ersten vier Wochen kann ich sagen:

Es gibt kein richtig und kein falsch.

Zumindest nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Wenn der Balkon eben nicht im Gartencenter steht

In Gartencentern können mir Fachangestellte selten meine Fragen zu meinem Balkon beantworten.

Sie können mir Informationen über eine Pflanze geben. Wie aber das Mikroklima auf meinem Balkon aussieht, welche Bedingungen dort tatsächlich herrschen und – mindestens genauso wichtig – wie meine eigene Motivation auf eine Pflanze wirkt, können sie nicht wissen.

Dafür müssten sie zu mir nach Hause kommen.

Auch das Internet hilft mir nicht immer weiter. Mich durch unzählige Seiten zu wühlen, ist mir häufig zu zeitaufwendig, und ich finde selten genau das, wonach ich suche.

Meine Gartenbücher sind Gartenbücher. Auf dem Markt gibt es wenig, das sich wirklich mit dem Balkongärtnern beschäftigt. Und auch dort bleibt vieles so allgemein, dass ich am Ende immer noch nicht weiß:

Soll ich das jetzt bei mir ausprobieren – oder lieber nicht?

Pflanzen sind nicht billig

Denn sind wir mal ehrlich: Pflanzen sind nicht günstig.

Je nachdem, wie das Budget ist, kauft man vielleicht Altbewährtes wie Geranien.

Für mich haben diese Pflanzen allerdings keinen großen Wert. Ich finde sie zum einen nicht besonders schön und zum anderen bieten sie aus meiner Sicht wenig für Insekten, Bienen oder Vögel.

Also habe ich für meinen Balkongarten entschieden:

Ich möchte heimische Gehölze und Pflanzen verwenden und dabei die Biodiversität im Blick behalten.

Hört sich einfach an.

Ist es aber nicht.

Auch ich bin nicht päpstlicher als der Papst

Zum einen will ich nicht päpstlicher sein als der Papst.

Auch bei mir steht der von vielen Fachleuten kritisch gesehene Schmetterlingsflieder auf dem Balkon.

Einfach weil er wie Unkraut wächst und bisher seiner für mich primären Aufgabe gerecht wurde:

Blickschutz zu den Nachbarn.

Trotzdem möchte ich das zukünftig verändern.

Nur: Woher soll ich als Unwissende das Wissen nehmen?

Also ausprobieren

Hier geht nur: mutig sein, ausprobieren und experimentieren – so weit es der Geldbeutel hergibt.

Und ich habe mir Hilfe bei der KI gesucht.

Brav habe ich meinen Balkon abfotografiert, vermessen und gefragt:

Was kann ich noch dazu pflanzen? Was hilft der Natur vor meiner Haustüre?

Die Wahl fiel auf einen Zitronenthymian.

Er sollte als Unterpflanzung für meinen Schmetterlingsflieder einziehen.

Blüht schön.
Duftet schön.
Kann für die Küche genutzt werden.

So der Plan.

Der Zitronenthymian und ich

Ich fahre also mit dem Rad ins Gartencenter, kaufe auf die Schnelle eine gut aussehende Pflanze und störe das Personal nicht bei seinen vielfältigen Aufgaben.

Vielleicht hätte ich doch einmal nachfragen sollen, was sie von meinem Plan halten.

Mitten in der Hitzephase – im Nachhinein mein erster Fehler, wie ich später in einem Beitrag gelesen habe – nehme ich zu Hause die Pflanze aus ihrem Topf.

Wie ich es in der Sendung Gartenduell (oder so ähnlich) gesehen habe, zupfe ich die Wurzeln auseinander.

Vielleicht ein weiterer Fehler.

Dann pflanze ich den Thymian unter den Schmetterlingsflieder in den großen Topf.

Der Balkon und somit auch der Thymian haben von 8 bis 13 Uhr Sonne. Ich gieße nach Gefühl, immer wenn die Erde trocken ist.

Zwei Wochen später ist der Thymian tot.

Was mein Fehler war, was ich falsch gemacht habe, ob es an der Pflanze lag, am Gießverhalten, an der Erde, an der Hitze – ich habe keine Ahnung.

Mit Hilfe der KI starte ich noch eine Rettungsaktion.

Doch die Pflanze kann ich nicht wieder zum Leben erwecken.

Versuch Nummer zwei

Heute zieht eine neue Thymianpflanze in meinen Balkongarten ein.

Im Discounter gab es Kräuterpflanzen und neben ihr werden auch Schnittlauch,Rosmarin und Petersilie ersetzt. Sie alle haben den Sommer auf meinem Süd-West-Balkon nicht überlebt.

Diesmal möchte ich nicht einfach nur pflanzen und hoffen.

Ich möchte beobachten.

Mein kleines Pflanztagebuch

Ich habe mir deshalb ein Pflanztagebuch zugelegt.

Nichts Großes.

Ein DIN-A5-Rechenheft, das ich noch im Schrank hatte.

Wie mein erster Entwurf aussieht und was ich mir dafür überlegt habe, siehst du auf dem Foto. Bereits beim Anlegen wird mir klar, das ist ausbaufähig.

Die Pflanzen habe ich heute fotografiert. Jetzt werde ich jede Woche ein neues Foto machen.

Außerdem habe ich mich über die Pflanzen informiert und die wichtigsten Merkmale notiert.

Da ich seit kurzem wieder nach dem Mondkalender arbeite, suche ich mir auch noch den geeigneten Pflanztag heraus. Dafür habe ich ein Buch mit einem passenden Kalender.

Und dann?

Warten. Beobachten. Lernen.

Jetzt heißt es erst einmal warten und beobachten.

Was passiert mit den Pflanzen?

Wie entwickeln sie sich?

Was funktioniert auf meinem Balkon?

Und was funktioniert eben nicht?

Vielleicht werde ich am Ende des Jahres viel mehr über meinen Balkon wissen als heute.

Vielleicht weiß ich dann auch, warum mein erster Zitronenthymian gestorben ist.

Und vielleicht gibt es beim Balkongärtnern tatsächlich gar kein richtig und kein falsch.

Vielleicht gibt es nur:

ausprobieren. beobachten. lernen.

6 Gedanken zu „Mein Balkon, der Zitronenthymian und die Sache mit dem richtigen Gärtnern“

  1. Diesen Beitrag habe ich sehr gern gelesen. Ich bin großer Fan des Themas Balkongarten. Ich habe im letzten Jahr geplant, Bücher gekauft und Vorbereitungen getroffen. Urlaubsbedingt konnte ich das ganze erst Mitte Juli starten, wir haben einen Standardbalkon mit voller Sonne fast den ganzen Tag. Naja, die Raupen des Kohlweißlings mochten meinen von Hand gezogenen Blumenkohl lieber als ich sie absammeln konnte. Der Rucola reichte gerade für ein Sandwich, die Himbeere hatte mehr Blätter als Früchte und nachdem ich angekündigt hatte, die Gurke zu entsorgen, spross diese um so mehr, sprich wir können demnächst Gurken ernten. Was wirklich super wächst, ist die Feige. Ich habe daraus gelernt, weniger zu planen und mir nächstes Jahr das zu holen, was es nach meinem Urlaub noch gibt, vielleicht auch mal etwas exotisches. Ja, die Natur hat ihren eigenen Kreislauf. In diesem Sinne, frohes gärtnern wünschen Anja und Charly 🙋‍♀️🐶

    1. Hallo Anja,

      so wie deine Gurke reagiert mein Johannisbeerstrauch jedes Jahr. Irgendwann war er mal „gestorben“. Er steht in seinem Kübel auf dem Balkon und immer wenn ich im Frühjahr/Sommer denke, jetzt kann er weg, sprießt auf einmal wieder etwas Grün. Ernten kann man da nichts, aber wegwerfen kann ich ihn auch nicht. 😄

      Eine Feige auf dem Balkon ist auch eine schöne Idee. Wie schnell wächst die denn und in was für einem Topf hast du sie stehen?

      Mit dem Planen und Pflanzen war ich dieses Jahr auch spät dran. Mal sehen, ob ich es nächstes Jahr früher hinbekomme.

      Das Leben hat seinen eigenen Plan und, wie du schon sagst, die Natur ihren eigenen Kreislauf.

      Liebe Grüße
      Britta

  2. Moin Britta.

    Ich bin noch guter Dinge, dass ich Gurken ernten kann.

    Die Feige habe ich vor etwa 3 Jahren online gekauft, als sie ankam, war ich sehr enttäuschend, da sie nur etwa 20 cm hoch war. Mit Ernte im ersten Jahr hätte ich eh nicht gerechnet, aber das war schon sehr klein 🫣, aber die Pflanze hat mich eines besseren belehrt und schon im zweiten Jahr konnte ich lecker Feigen ernten. Dann kam in diesem Jahr der viele Schnee (sie steht aber überdacht) und die niedrigen Temperaturen, danach sah sie nicht gut aus. Aber was soll ich sagen, aktuell hat sie so viele Früchte wie noch nie. Sie steht von Anfang an in einem ca. 30 cm breiten Topf ohne spezielle Erde, im Winter habe ich sie noch nie abgedeckt, lasse nur das eigene Laub auf ihr liegen. In diesem Jahr habe ich mir nur speziellen Dünger besorgt, der sehr gut ankommt. Alles in allem, ist sie sehr pflegeleicht, steht das ganze Jahr draußen und verträgt extreme Temperaturen in beide Richtungen. Eine Feige würde ich mir immer wieder holen, es gibt nichts leckeres als Feigen mit Fetakäse und Honig.

    Wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße aus dem Norden, Anja und Charly 🙋‍♀️🐶

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