Freitagsfüller 35-26 von letzten Sommertagen, lauten Nachbarn und dem Ferienende

Den Montagsstarter habe ich irgendwie halbfertig vergessen. Mit dem Freitagsfüller soll mir das diese Woche nicht passieren. Doch ich hatte viel zu überdenken und zu planen, musste organisieren und mich wieder daran gewöhnen, nicht mehr alleine zu wohnen. Die Mitbewohnerin ist aus ihrem Urlaub zurück und wir müssen uns wieder aneinander gewöhnen.

Gleichzeitig ist mein Kopf endlich frei. Hat ja nur fünf Wochen gedauert. Die Stunden bei der Coachin zeigen erste Ergebnisse, die im Außen noch nicht zu sehen sind. Ob diese inneren Veränderungen im Alltag Bestand haben, wird sich zeigen.

Die Vorstellung, wieder in die alte Tretmühle einzusteigen, behagt mir nicht. Gleichzeitig weiß ich, dass die Festanstellung notwendig ist, um mein Leben zu finanzieren. Ich habe schon häufig darüber gesprochen, dass sich das Berufsfeld der OGS-Betreuung in den zehn Jahren, die ich nun dabei bin, verändert hat.

In diesen Tagen denke ich häufig an meinen Vater. Er fand das sicher auch nicht so dolle, jeden Tag in den Korb zu steigen und tief unter der Erde unter Lebensgefahr zu arbeiten. Auch nach einem schweren Unfall stieg er wieder in den Förderkorb. Beklagt hat er sich nicht. Einfach mal machen.

In seiner freien Zeit war er umso mehr draußen in der Natur unterwegs. Immer mit seinem Rad fuhr er über die Felder, durch kleine Wälder. Sobald ich Rad fahren konnte, nahm er mich mit. Oder er war in seinem Garten. Sä­te, pflanzte und erntete. Trank Kaffee mit meiner Mutter unter den Obstbäumen. Schleppte eimerweise Holunder an, den meine Mutter verarbeitete.

Ich bin müde geworden von einem System, in dem Kinder längere Arbeitszeiten haben als manche ihrer Eltern. Von einem System, in dem alleinerziehende Eltern schnell das Gefühl vermittelt bekommen, sie würden ihre Kinder „abgeben“ oder hätten „keine Lust“ zu arbeiten. Egal, wie man es macht, irgendjemand hat etwas daran auszusetzen. Ich habe beide Seiten erlebt. Ich weiß, wovon ich spreche.

Die Leidtragenden sind die Kinder. Und vielleicht ist genau das der Punkt, über den ich in diesen Tagen besonders viel nachdenke: Wie kann ich dort, wo ich stehe, etwas verändern?

Schritt für Schritt. Mehr weiß ich im Moment auch noch nicht.

Was ich jedoch weiß: Jetzt ist erst einmal der Freitagsfüller dran.

1. Die letzten Sommertage und gleichzeitig die letzten Urlaubstage wollen genossen werden. Die Mitbewohnerin hat schon ausgerechnet , wie viele Tage es bis zu den nächsten Ferien sind. Dann sieht sie ihren Vater wieder.

2.  In aller Stille auf dem Balkon sitzend ist eine schöne Art, den Tag zu beenden.

3. Wir haben zwar sehr laute Nachbarn, aber bedingt durch die Arbeit habe ich zum Glück auch adäquaten Hörschutz. Also: Leise geht immer.

Was auch geht – nicht besonders nett, aber erstaunlich wirksam.

Herr Nachbar telefoniert jeden Abend von 21 bis 23 Uhr in seiner Muttersprache. In einer Lautstärke, bei der ich mich regelmäßig frage: Warum brüllt der eigentlich so?

Wer allerdings so laut und deutlich spricht, muss sich nicht wundern, wenn die neugierige Nachbarin – also ich – irgendwann den Übersetzer um Hilfe bittet.

Dabei stellte sich heraus: Er hat ziemlich ordentlich über seine Frau abgezogen.

Als der Übersetzer dann auch noch laut vorlas, was dort gerade gesprochen wurde, war es plötzlich erstaunlich still auf dem Nachbarbalkon.

Anschließend wurde das Gespräch in der Wohnung fortgesetzt.

Geht doch.

4. Manchmal denke ich, es hat sich nichts verändert. Bis ich genauer hinschaue.

5. Die letzte Person, die ich umarmt habe, war heute Morgen die Mitbewohnerin.  .

6. Herbstastern sind aktuell meine Lieblingsblumen der Saison.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen weiteren ruhigen Abend ohne Verpflichtungen. Morgen habe ich geplant, mich mit den Samstagsfrauen plus Erweiterung zu treffen. Und Sonntag möchte ich mich ganz entspannt verbringen! Es gibt in unserer Stadt gerade an diesem Wochenende so viele Angebote seine Zeit zu verbringen. Ich entscheide spontan, wohin ich gehe.

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