Sonntagmorgen. 4:30 Uhr. Ich werde wach und mein erster Gedanke ist:“Wie gut das kein Montag ist.“ Bevor ich weiteren trübseligen Gedanken nachhängen kann, stehe ich auf.
Ich wecke den Hund, ziehe ihn an und wir gehen nach Draussen. So viele Wochen plane ich, dass ich mal vor dem Morgengrauen hinaus möchte. Heute muss ich mich sputen. Sonst wird das wieder nichts.
Dem Hund habe ich die Schleppleine angelegt, so hat auch er einen anderen Radius. Wir machen uns auf Richtung Feld. Begleitet werden wir von einem unglaublichen Amselkonzert. Wir schön es klingt. Sonst ist noch kein anderer Vogel zu hören. Nach und nach stimmt die Kohlmeise mit ein.
Auf dem Weg zum Feld gibt es ein kleines bewaldetes Stück. Wenn es hell ist kann man durch es hindurch sehen. Doch heute es ist noch stockdunkel. Ich überlege hinein zu gehen, in die Dunkelheit. Wir zwei sind ganz „alleine“. Kein anderer Mensch zu sehen, kein Hund zu spüren. Für Herrn Bretone ist es kein Problem. Doch meine Füße wollen nicht weiter laufen, als bis zu dem Platz, der noch von einer Straßenleuchte erhellt wird.
Alle meine inneren Dämonen kommen aus ihren Höhlen und ängstigen mich. Am Horizont sehe ich die Sonne aufgehen, doch bis auf drei Schritte traue ich mich nicht ins Ungewisse.
Schlagartig wird mir klar, wo es Parallelen zu meinem Leben gibt. Der Hund strebt in den Wald, neugierig, denn allerlei Düfte locken ihn. Doch ich traue mich nicht dem Instinkt zu folgen. Ich bleibe stehen, an der Stelle, an der mein Weg überschau ist.
Was könnte wohl in der Dunkelheit auf mich lauernd warten. Ein wildes Tier das mich zerreißt, ein Mensch der mich zerstören will ?
Ein paar Minuten bleiben ich in der Dunkelheit stehen. Träume von dem was ich alles entdecken könnte, wenn ich mich einfach nur weiter traue. Wie stolz ich später wäre, das ich meine Angst überwunden und neue Wege eingeschlagen habe.
Dann drehe ich mich um und kehre auf den gut beleuchteten Weg zurück. Der Hund kommt angesprungen und reiht sich an meiner Seite ein. Wir gehen zurück über gepflasterte, hell erleuchtete Wege.
Hinter mir steigt die Sonne am Himmel empor. Er verfärbt sich rot. Über mir singen die Amseln weiter ihr Lied.
Ein wenig hänge ich meine traurigen Gedanken nach. Dann, je näher ich meinem Zuhause komme, werden sie von anderen Gedanken abgelöst. Welche Wäsche ich heute noch wasche und trocken bekomme. Wie ich das beste aus dem freien Tag herausbekommen, bevor morgen wieder der Alltagstrott beginnt.
5:30 Uhr. Wir sind wieder zu Hause. Draussen ist es Tag. Drinnen sitze ich müde am Computer, tippe diese Sätze und werde wohl wieder schlafen gehen.

Ein Gedanke zu „Morgengrauen – Gedanken am frühen Sonntag“
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