Anstatt einer Einleitung gibt es heute ein Gedicht, dass mir vor einigen Tagen in dem Buch „25 letzte Sommer“ von Stephan Schäfer begegnet ist. Ich teile es in drei Abschnitte und du findest sie farbig hinterlegt im Verlauf des Rückblickes.
„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht mehr so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter,
als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Samstag, 09.05.26
Nach einer anstrengenden Woche quälte ich mich noch durch die notwendige Hausarbeit. Am Nachmittag wurde es dann ruhiger: Kuschelzeit mit meiner Mitbewohnerin und gemeinsam schauten wir Der Kastanienmann. Ein spannender Thriller – und für mich immer noch ungewohnt, solch schwere Kost mit meinem Kind zu schauen.
Ein Kind durchs Leben zu begleiten bedeutet, die eigenen Grenzen kennenzulernen, die Verbindung zueinander nicht zu verlieren und jeden Tag ein Stück mehr loszulassen. Gerade die Momente, in denen ich mich daran orientieren wollte, „was man eben so macht“, waren zwischen uns oft die schwierigsten. Denn dieses Kind wächst in einer völlig anderen Welt auf als ich selbst oder die älteren Geschwister.
Ich bin in den 1960er Jahren geboren, die Geschwister in den 1990ern – doch sie gehört zur Generation der 2000er. Einer Generation zwischen KI, Klimakrise, Dauererreichbarkeit und einer Welt, die sich schneller verändert als je zuvor. Es gibt kaum noch feste Richtlinien dafür, wie wir diese Kinder auf das Morgen vorbereiten können, weil sich Werte und Lebensrealitäten ständig verschieben.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Kinder brauchen heute weniger vorgegebene Wege als Menschen, die ihnen Halt geben, während sich die Welt verändert. Und trotz aller Herausforderungen empfinde ich keines meiner vier Kinder als Aufgabe – sondern jedes einzelne als Geschenk.
Gesehen: Der Kastanienmann Staffel 2, Teil 1-3
Sonntag, 10.05.26
Heute haben viele Menschen den Muttertag gefeiert. Ich habe meine eigene Sicht auf diesen Tag und nein, ich habe ihn nicht gefeiert.
Dafür habe ich jemanden kennengelernt. Neues Leben ist in unsere Familie eingezogen. Heute sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Das Maimädchen und ich.

Gesehen: Der Kastanienmann Staffel Teil 3-6
Montag, 11.05.26
Unser Gesundheitswesen ist alles andere als einfach. Es steht und fällt mit den Menschen, die darin arbeiten.
Heute haben mich Zahnschmerzen begleitet. Meine Hauszahnärztin ist noch im Urlaub, deshalb konnte man mir dort erst für morgen einen Termin geben. Anfangs dachte ich noch, ich komme irgendwie durch den Tag. Doch mit jeder halben Stunde im Büro wurden die Schmerzen schlimmer.
Also telefonierte ich mich durch sämtliche Zahnarztpraxen im Ort. Keine einzige konnte mir kurzfristig helfen. Dass keine freien Termine mehr vorhanden sind und alle am Limit arbeiten, kann ich verstehen. Wofür mir allerdings das Verständnis fehlt, ist der Ton, in dem teilweise mit mir gesprochen wurde – kühl, genervt und stellenweise wirklich abwertend.
Mit IBU habe ich mich schließlich durch den Tag gerettet. Und am Ende war es ausgerechnet eine freundliche Stuhlassistenz, die mich zurückrief, nachfragte, ob ich inzwischen eine Lösung gefunden hätte, und mir dann tatsächlich eine anbot.
Manchmal sind es eben genau diese kleinen menschlichen Momente, die den Unterschied machen.
Gesehen: Die Totenfrau Staffel 2, Teil 1 – ich finde die Serie langweilig

Holunderblüte
( von ihr und meinen Erinnerungen erzähle ich im Montagsstarter)
Den Montagsstarter habe ich heute recht früh online stellen können.
Dienstag, 12.05.26
Die Eisheiligen geben alles. Allerdings keinen Nachtfrost mehr. Die Temperaturen haben sich in der Nacht merklich abgekühlt. Und es hat ausgiebig geregnet. Doch meiner guten Laune tut es keinen Abbruch. Ich freue mich auf einen Besuch am Nachmittag.
Die ehemalige Kollegin, Die Hundefreundin, kommt vorbei. Als wir vor ein paar Tagen miteinander telefonierten erzählte sie, dass sie weiterhin mit dem Nachbarshund regelmäßig spazieren geht, obwohl ihr eigenen Hund verstorben ist. Daraufhin habe ich spontan nachgefragt, ob sie am Ende des Monats, wenn die Mitbewohnerin ihr erstes Turnier hat, auf Herr Bretone aufpassen könnte. Er kennt sie ja und ihr unschlagbares Argument aus Sicht des Hundes ist – sie hat ein Auto. Er liebt es nämlich Auto zu fahren.
Mein Hund hat mich wirklich überrascht. Seit 7 Jahren lebt er bei uns und hat noch nie Leckerchen von Nicht-Familienmitgliedern genommen. Heute hat er Die Hundefreundin angebettelt, sogar während des gemeinsamen Spaziergangs. Ich konnte nur staunen.
Mein Beitrag 12 von 12 ist am Morgen online gegangen.
Gelesen: Wenn alles blüht ein Blick in antetanni’s Schrebergarten
Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente
der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur noch gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt, aus diesen
besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken; vergiss nicht den jetzigen.
Mittwoch, 13.05.26
Der Morgen startete ebenfalls mit guter Laune. Die Mitbewohnerin hatte ihre erste ZAP in Deutsch. Sie fühlte sich gut vorbereitet und brach unspektakulär zur Schule auf. ZAP = Zentrale Abschluss Prüfung – nur zur Erklärung.
Mit der zweiten Tasse Cappuccino nahm ich mir Zeit einige Blogs zu besuchen. Vor mir lag ein langer Tag, doch das lange Wochenende lockte. Spontan veröffentliche ich die Leseempfehlungen der 4. Klasse. . Beim Mittagessen widmete die junge Lehrerin einigen interessierten Schülerinnen und Schülern aus dem 1. Schuljahr ihre Aufmerksamkeit und schaute sich gemeinsam mit ihnen die Empfehlungen an.
Vor der Chorprobe gab es ein leichtes Abendessen. Nach der Chorprobe stand noch die Contentarbeit für den Chor auf dem Programm. (als ich heute, 16.05.26 nach dem Link suchte, konnte ich sehen, das unser Video über 1000 Aufrufe hatte)

Gelesen: Wasser unter Druck bei Thomas Malfertheiner ; Trading Cards von Barbara
Und ein schnelles Buch zwischen den Büchern.

Donnerstag, 14.05.26
Bei Insta gibt es ein Reel über meinen Tag in Bildern. Traditionell gibt es in unserer Kleinstadt eine Radtour an Christi Himmelfahrt. Auf dem Weg zu Versorgungsstation, an der ich heute eine Stunde Dienst hatte, fotografierte ich ein wenig die Gegend.

An der Versorgungsstelle angekommen zog sich der Himmel zu.

Nachdem der letzte Teilnehmer durch war, öffnete sich der Himmel und es regnete

Nach dem Regen ging es noch nicht nach Hause. Ich holte Die Freundin ab und wir radelten zum Gemeindefest der evangelischen Gemeinde vor Ort, um dort traditionell eine Grillwurst zu essen.

An unserem Tisch entwickelte sich eine Diskussion, über das Thema „Kunst“. Die Künstlerin Sandra Ganser hatte das Projekt Natürlich.Verbunden angestoßen, in dem es nicht nur über „Trockenblumen“ ging, sondern vor allem um die Begegnung von Menschen, die sich so nicht begegnet wären. Schon gar nicht im Lebensraum Kirche.
Für mein Gegenüber war es keine Kunst, sondern lief unter dem Begriff „Deko“ und das hat er der Künstlerin unmissverständlich nahegebracht. Kunst ist für diesen Menschen etwas „was noch nie dagewesen ist, eine Idee die vorher noch niemand hatte „. Und genau das ist es für mich gewesen – die Idee mit diesem Projekt Menschen zusammenzubringen. Im weitesten Sinne gelebte Kirche.
Freitag, 15.05.26
Heute enden die Eisheiligen. Ab morgen kommt dann vermutlich wärmerer Regen, denn Regen ist definitiv gemeldet.
Meine Spülmaschine hat vor zwei Tagen ihren Geist aufgegeben und ich genieße aktuell das Spülen von Hand. So habe ich das Gefühl, am Ende des Tages etwas geschafft zu haben. Mit meinen Händen. Dieses Gefühl bekomme ich in meinem Job nicht.
Damit mir die Hausarbeit leichter von der Hand geht, habe ich Spotify bemüht. Zu meiner Freude fand ich folgendes Hörbuch, das und Das Goldkehlchen dieser Tage empfohlen hat.

Das Thema holt mich dermaßen ab. Es ist gut zu wissen, das wir nicht wissen, wann unser letzter Sommer beginnt. Doch die nachdenkliche Stimmung, die in den ersten Kapiteln durch den Erzähler aufkommt, trifft mich.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt
und ich weiß, dass
ich bald sterben werde.“
Das Gedicht ist von Jorge Luis Borges (kurz vor seinem Tod)
Damit bin ich am Ende meines Wochenrückblickes angekommen. Wie war deine Woche ?
Das Gedicht kommt mir grad recht – mehr Fehler machen, jawoll!
Eine verrückte, sehr emotionale Woche liegt hinter mir. Intensiv gelebt, inklusive Fehler. Es ist gut so. Ich lerne dabei. Lerne gelassen zu sein und zu lächeln.
Habt alle ein gutes Wochenende!
Brig
Eine prall gefüllte Woche mit vielen schönen Momenten und Augenblicken und somit dem wundervollen Gedicht entsprechend (sehr lesenswert, Danke fürs Teilen). Danke auch fürs Teilen des Gartenbeitrags, ich freue mich sehr, dass du mich virtuell im Schrebergarten besucht hast. ♥ Die Worte, die du über deine Kinder geschrieben hast, haben mich sehr berührt.
Hab heute einen schönen Sonntag mit hoffentlich schönen Momenten, die dich am Ende des Tages lächelnd zurückblicken lassen.
Herzliche Grüße
Anita
Danke dir