Der heutige Beitrag trägt den Titel „Ein Morgen in der Sommerpause“. Beim Schreiben wurde mir noch einmal bewusst, was Brigantis Kosmos eigentlich ausmacht: die Freiheit, über das zu schreiben, was mich bewegt – mal Natur, mal Alltag, mal ernste Themen und manchmal alles gleichzeitig.
Es ist ein lauer Sommermorgen.
Geweckt wurde ich vom entfernten, aufgeregten Bellen eines fremden Hundes. Die Balkontür steht offen und Herr Bretone sitzt aufmerksam auf seinem Platz. Ich liebe es, ihn dabei zu beobachten, wie er jedes Geräusch aufnimmt und verarbeitet. Seine Anspannung überträgt sich auf mich.
Also schwinge ich die Beine aus dem Bett, streife Jeans und T-Shirt über und wir treten gemeinsam ins Halbdunkel hinaus.

Das Bellen ist längst verstummt. Herr Bretone geht seinen eigenen Geschäften nach. Mittlerweile geht die Sonne auf. Niemand ist unterwegs. Nur ein einzelner Bus fährt an uns vorbei. Wir gehen aufs Feld.
Ich lasse meine Gedanken schweifen.
Mir fällt auf, dass ich noch kein Vogelgezwitscher höre, obwohl es bereits kurz vor sechs ist. Nur hin und wieder das Krächzen einer Krähe.
Und plötzlich beginnt mein Kopf zu arbeiten.
Es gibt so viele Themen, über die ich schreiben möchte. Würde ich mich ausschließlich der Natur widmen, müsste dieser Blog eine völlig andere Richtung einschlagen. Aber ich bin viel zu vielschichtig interessiert, um mich auf ein einziges Thema festzulegen.
Während wir durch die Straßen laufen, tauchen unzählige Ideen auf.
Vielleicht schreibe ich über den Balkon im Laufe der Jahreszeiten.
Vielleicht über eine Nachbarschaftsaktion, bei der Menschen einfach einmal miteinander ins Gespräch kommen – über das Zusammenleben, über Wünsche und darüber, was sie beschäftigt.
An einem Dienstag saß ich mit den Strickfrauen gemeinsam in einer angenehm kühlen Wohnung. Da kam mir der Gedanke, dass es inzwischen so viele Klimaanlagen für Mietwohnungen gibt. Vielleicht wird im Winter eine bei mir einziehen.
Dann fällt mir die Vogeluhr ein. Jeder Vogel beginnt seinen morgendlichen Gesang zu einer bestimmten Uhrzeit. Doch an diesem Sommermorgen ist es irgendwie anders.
Oder die Frage, woher der Ausdruck „Waschküche“ eigentlich stammt. Ich kenne das Wäschewaschen in einer Waschküche noch. Für meine Kinder ist das bereits Geschichte.
Mein Kopf rattert. Herr Bretone dreht gelassen seine Morgenrunde.
Wieder zu Hause muss ich mich regelrecht bremsen, nicht sofort an die Tastatur zu springen.
Stattdessen bereite ich Frühstück vor. Für den Hund. Für die Wildvögel. Für mich.
Erst dann erlaube ich mir, diesen Text zu schreiben.
! ! !
In meiner Sommerpause gab es viele Morgen wie diesen.
Es gab aber auch die anderen.
Morgen, an denen ich mich nur aus dem Bett quälte, weil der Hund dringend hinausmusste. Gleiche Uhrzeit. Gleicher Weg. Aber eine vollkommen andere Wahrnehmung.
Meine Aufmerksamkeit richtete sich nur noch auf das, was nicht funktionierte.
Im Großen wie im Kleinen.
Der Hund bekam sein Frühstück. Die Wildvögel ebenfalls. Für mich blieb oft nur ein heißes Getränk. Mehr ging nicht.
Keine Zeit an der Tastatur.
Keine Gedanken an den Blog.
Stattdessen der Versuch, mich von meinem Kontrollmechanismus abzulenken. Von Gedankengängen, die mich immer weiter in eine Erstarrung führten.
Treffen mit Freunden waren möglich. Nach außen funktionierte vieles. Doch innerlich lief der Kontrollzwang ununterbrochen weiter.
Ich kann auf zwei Ebenen gleichzeitig denken.
Ich kann ein Gespräch führen – und gleichzeitig Panik schieben.
Menschen, die mich gut kennen, bemerken das natürlich.
Und ich passe höllisch auf, mein Panikthema nicht ständig in jede Unterhaltung zu werfen. Nicht, weil ich nicht darüber sprechen möchte. Sondern weil ich Angst habe, anderen irgendwann damit auf die Nerven zu gehen.
Auch das war meine Sommerpause.
! ! !
Und genau deshalb gehören auch diese Themen hierher.
Mentale Gesundheit.
Arbeitswirklichkeit.
Das Verzweifeln an manchen gesellschaftlichen Entwicklungen.
Sie tragen eine andere Energie in sich als Naturbeobachtungen, Balkonprojekte oder Leseempfehlungen.
Vielleicht hast du beim Lesen sogar gespürt, wie sich die Stimmung dieses Textes verändert hat.
Ich jedenfalls spüre sie beim Schreiben ganz deutlich.
Aus dem hellen Sommermorgen ziehen plötzlich Wolken auf.
Und trotzdem kann ich wieder zurückkehren.
Zur Leichtigkeit.
Zum Staunen.
Zum Schreiben.
Noch vor wenigen Wochen hätte ich den Anfang dieses Textes gar nicht schreiben können.
Doch seit zwei oder drei Tagen habe ich das Gefühl, dass das Leben langsam zurückkehrt.
Nicht mit einem großen Knall.
Eher so wie das erste Vogelgezwitscher am Morgen.
Leise.
Fast unbemerkt.
Aber es ist da.
Und deshalb war diese Sommerpause wichtig.
Danke, dass du geblieben bist.
Willkommen zurück im Brigantis Kosmos.
Schön das du wieder da bist.
Auch wenn ich das Glück hatte, das du für mich die ganze Zeit da warst. Es freut mich dass du wieder schreiben kannst. Das zeigt das es bergauf geht.
Ich hab mich richtig gefreut heute morgen wieder von Dir zu lesen. Schön das Du wieder da bist und weiterhin schöne Ferien.
Danke schön.