Wochenrückblick 15-2026 – Freundschaften in Zeiten wie diese

Endlich wieder den Kopf frei zum Schreiben. Dieser Rückblick ist vielleicht etwas langweilig und langatmig. In den letzten beiden Wochen bewegte sich mein Leben hauptsächlich zwischen Bett und Sofa. Manchmal ist das im Leben so. Umso mehr schätze ich den heutigen Morgen. Im Bett liegend habe ich den Text ins mobile Endgerät getippt. Am PC in anschließend mit Fotos und Links überarbeitet. Jeden Tag geht es jetzt weiter aufwärts. Das spüre ich. Aber lies selber, wenn du magst.

Samstag, 04.04.2026

Heute vor 34 Jahren bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden. Ich war 24 Jahre alt und das Jahr 1992 hatte bereits bescheiden angefangen. Zwei Todesfälle innerhalb der engen Familie beutelten uns alle schwer. Mit der Geburt meines zweiten Sohnes wünschte ich mir nur noch schöne Momente. Wie gut das man nie weiß, was auf einen im Leben zu kommt. Man kann ja eh nicht davor weglaufen.

Laut Überlieferung ging es ihm, dessen Auferstehung wir an Ostern feiern, anders. Er wusste was kommen sollte. Und trotzdem : Er setzte seinen Weg Schritt für Schritt fort. Die Osternachtsmesse konnte ich, dank der Fürsorge der anderen Sängerinnen mitfeiern. Für mich persönlich das höchste Fest im Kirchenjahr.

Meine Genesung machte ebenfalls einen weiteren Schritt in die richtige Richtung.

Sonntag, 05.04.26

Das Geburtstagskind hatte eingeladen. Für mich gab es einen Shuttleservice von Haustüre zu Haustüre. Wir waren eine nette kleine Runde, in der wir uns über Themen austauschen konnten, die sonst schon mal zu kurz kommen. Natürlich fehlten, zu mindestens mir, die zwei Geschwister, die nicht dabei waren. Doch es war nicht zu ändern.

An diesem Wochenende gab es keinen Rückblick. Was sollte ich auch schreiben? Stattdessen habe ich begonnen mir alle drei Staffeln von A Discovery of Witches anzuschauen. Irgendwie musste ich aus der Kreuzigungsblase raus. Was hilft da besser als Vampiren und Hexen zuzuschauen. Lach.

Montag, 06.04.26

Vampire und Hexen bestimmen den Ostermontag. Herrlich unterhaltsam. Zwischen den einzelnen Folgen habe ich entweder geschlafen oder den Hund mal kurz an die frische Luft geführt. 

Dienstag, 07.03.26

Meine Seele beginnt sich langsam zu entspannen. Tag 3 ohne Penicillin und das Bein zeigt keine Anzeichen von neuen Rötungen. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt heißt es schnell wieder fit werden. Am kommenden Montag beginnt der Arbeitsalltag.

Ich beginne mit leichter Hausarbeit. Soviel ist in den 2,5 Wochen liegen geblieben. Einschließlich meiner Person. Die Waschmaschine erschrickt sich, als sie aus ihrem Schlaf geweckt wird.

Mein vierbeiniger Pfleger freut sich über erweiterte Runden. Immer nur 800 m am Morgen und am Abend sind auf Dauer keine Lösung.

Anschließend bin ich so müde, dass ich erst einmal wieder für den Rest des Tages auf das Sofa musste. Schlafen und … richtig, die Hexen und Vampire.

Mittwoch,08.03.26

Nachdem die Mitbewohnerin ihre Ankunft verschieben musste, habe ich noch einen weiteren ruhigen Tag für mich. Der gestrige Tag hat mich mehr ermüdet als ich erwartet habe, also ließ ich es deutlich langsamer angehen.

Auf Fernsehen hatte ich nun wirklich keine Lust mehr. Stattdessen versuchte ich mich wieder auf das Lesen zu konzentrieren.  Die Tageszeitung ging so gerade noch. Aber auf mein Buch, das ich dringend rezensieren muss, konnte ich mich nicht lange konzentrieren.

Die Eremitin hat Urlaub und immer wenn wir spontan mit unseren Hunden aus der Türe gingen,  war es zur selben Zeit. Darum hatten wir uns in den letzten Tagen angewöhnt uns kurz abzusprechen. Mein Hundefreund Herr Levi freut sich immer unbändig mich zu sehen. Und in der Praxis ist das auch kein Problem. Aber wenn in freier Wildbahn mein Freund, der sein 45 Kilogramm Lebendgewicht gerne mal unterschätzt, auf mich zugerannt kommt, dann braucht es eine Standfestigkeit die ich aktuell nicht habe. Dazu kommt das Herr Bretone sich ebenfalls unbändig freut Die Eremitin, Herrn Levi und Frau Paula zu sehen.  Das wollten wir Menschen beide vermeiden.

Darf ich vorstellen. Herr Levi.

Eine Seele von Hund.

Eine Elfe im Körper eines Retrievers.

Normalerweise haben wir feste Zeiten und kommen uns so gut wie nie in die Quere. Aber in dieser Woche war es wie verhext. Und so hatten wir die Gelegenheit jeden Tag kurz miteinander zu Plaudern. Am Telefon. Mit drei Hunden ist es eh schwierig.

Donnerstag, 09.03.26

Die Freundin nimmt mich mit zum Einkaufen. Der Kühlschrank zeigt gähnende Leere und die Mitbewohnerin hatte sich auf den Nachhauseweg gemacht. Schon nach einer halben Stunde Einkaufswagen schieben, freute ich mich auf einen Stuhl und einen Kaffee. Wir trafen uns mit Der Kämpferin in unserem Lieblingskaffee. Da saßen wir nun, wir drei und tauschten uns aus.

Bei der Kämpferin musste wieder eine Chemo ausgesetzt werden.  Alles weitere verschiebt sich immer mehr nach hinten. So sehr wir uns freuten über die unerwartete Kaffeezeit, so sehr sorgen wir uns.

Das Thema Krankheit stand wie ein Elefant im Raum. Auch über den Verlauf meiner Wundrose sprachen wir. Unübersehbar die Tatsache, das wir beide gesundheitlich angeschlagen sind. Jeder auf seine Weise. Doch wir wären nicht wir, wenn wir nach den leisen Momente nicht zu unserer humorvollen Art zurück gekehrt wären. Ein bisschen lästern geht immer, über uns und andere. Und gemeinsam lachen sowieso.

Und dann kam wieder Leben in die Bude. Sie ist zurück und mit ihr Musik, Reden und Reden. Herrlich.

Ein abgenervter Hund. Nicht schon wieder ein Foto. Ich will nur von ihm gekrault werden. Ihm, dass ist der Freund der Mitbewohnerin und Herr Bretone hat beide vermisst.

Freitag, 10.04.26

In Erwartung einer Abschlussuntersuchung bin ich mit dem Rad zum Arzt gefahren. Ja, ich fahre wieder Rad. Die Wege in unserer Stadt sind kurz. Zu Fuß ist es mir noch zu anstrengend, aber mit dem E-Bike nicht. Nach einer kurzen Untersuchung teilt die Ärztin mir mit, dass ich in der kommenden Woche noch nicht arbeiten darf.

Zack, da war es wieder. Das schlechte Gewissen gegenüber den Kollegen. Doch es nützt nichts. Die Worte der Ärztin waren klar. Gerne Rad fahren, mit dem Hund auch weiter die Runden ausbauen, aber nicht lange stehen oder das Bein beim Sitzen abknicken. Hochlagern hat immer noch Priorität. Und zwischen allen Aktivitäten ausruhen.

Am Abend habe ich mich dann zum ersten Mal wieder an den PC gesetzt und den Freitagsfüller getippt. Wir haben das Büro ein wenig umgestaltet, sodass ich den Regeln der Ärztin folgen kann. Es tat so gut, seine Gedanken wieder über die Tastatur zum Ausdruck zu bringen. Mein Offline Tagebuch hat in den letzten Wochen immer in meiner Nähe gelegen, damit ich Gedanken und Ideen sofort festhalten konnte.

Ich habe mich in den vergangenen Wochen nie einsam gefühlt. Es gab immer jemanden der mit mir telefoniert hat oder mich besuchte. Mein soziales Netz ist gut gewebt. Doch es gab viele Momente, in denen ich mich alleine fühlte. Wo ich mir gewünscht habe, sofort mit jemandem sprechen zu können. Die Karwoche hat mir mehr als deutlich gemacht, das ich meine Sorgen (mein Kreuz)nicht alleine tragen muss.

Meine Seele hat sich die Krankheit als Lösung gesucht, weil ich ihr schon lange nicht mehr zuhören wollte. Jetzt musste ich es, denn es gab keine Möglichkeit der Ablenkung. Nicht die Arbeit, nicht die Wäsche, nicht das Zocken oder Bloggen. Nicht die Sorge um die Mitbewohnerin, denn die hat ihre Ferien beim Vater verbracht.  Ich war mit mir alleine.

Die Eremitin ist eine langjährige Freundin. Wie lange kennen wir uns ? 20 Jahre? Du bist mir und Ben damals in der Gasse mit dickem Bauch und Pia zum ersten Mal begegnet.  Unsere Freundschaft hat viel gemeinsam getragen. Ben ist über die Regenbogenbrücke gegangen, dann Pia, dann Nimue, dann Ronja. Jetzt wirbeln Paula, Levi und Jamie unsere Leben durcheinander. Ganz zu schweigen von unseren Mitbewohnern – lach. Ich bin sehr froh, dass wir uns damals begegnet sind.

Du hast mir vor drei Wochen ordentlich den Kopf gewaschen. Weil du wütend warst und in Sorge. Ja, du hast recht. Ich habe nur das eine Leben. Es will gelebt werden. Nicht abgewickelt. Die Balance muss stimmen.

Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die mir in den letzten Wochen auf die ein oder andere Weise beigestanden haben. Ich hoffe, es war mir eine Lehre. Ein Erysipel ist keine Erkältung und ich werde in Zukunft auch eine Erkältung ernst nehmen. Ihr wisst wie ich es meine.

Danke.

Ein Gedanke zu „Wochenrückblick 15-2026 – Freundschaften in Zeiten wie diese

  1. Dann vor allem eines: weiterhin gute Besserung, mir ist das durchgegangen, denn zu wenig Zeit für den digitalen Raeum
    Wenn der Körper älter wird, kann er nicht mehr so viel wegstecken, müssen wir auch lernen
    Liebe Grüße
    Nina

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