Der aufmerksame Blogleser hat sich vielleicht gewundert, dass es den Freitagsfüller nicht gab und auch der Wochenrückblick nicht rechtzeitig am Samstag erschienen ist.
Der Grund ist nicht, dass ich nichts erlebt hätte. Mir geht gerade vielmehr etwas anderes durch den Kopf.
Was passiert, wenn wir anfangen, Dinge, die wir lieben, nach ihrem Nutzen zu beurteilen?
Diese Frage beschäftigt mich schon seit einiger Zeit.
Zum Ende eines Jahres merke ich besonders deutlich, wie anstrengend und zeitaufwendig die Bloggerei geworden ist. Und irgendwann war da wieder diese Frage: Warum mache ich das eigentlich noch?
Bisher war die Antwort darauf ziemlich einfach: weil ich es liebe zu schreiben.
Doch in diesem Jahr ist etwas anders.
Im Sommer habe ich angefangen, darüber nachzudenken, wie ich mir beruflich ein weiteres Standbein aufbauen könnte. Nicht aus einer Laune heraus, sondern weil ich mir Gedanken darüber machen muss, wie es für mich in den nächsten Jahren weitergehen soll.
Dabei kam natürlich auch der Blog ins Spiel.
Was könnte ich mit dem machen, was ich hier über all die Jahre geschrieben, ausprobiert und gelernt habe? Könnte daraus vielleicht etwas Neues entstehen? Könnte ich mein Wissen, meine Interessen und meine Freude am Schreiben miteinander verbinden und daraus vielleicht ein neues berufliches Kapitel entwickeln?
Plötzlich war da ganz viel möglich.
Mit Hilfe von Menschen, mit denen ich darüber gesprochen habe, und auch mit Hilfe von KI habe ich Ideen entwickelt, verworfen, weitergedacht und miteinander verbunden. Im Urlaub fühlte sich vieles davon machbar an. Im Kopf sowieso. Dort ist erstaunlich viel möglich.
Dann kam der normale Alltag zurück.
Vier Wochen Schulalltag liegen hinter mir. Vier Wochen Arbeit, Termine, Haushalt, Hund und all die kleinen Dinge, aus denen ein ganz normales Leben besteht.
Und ich merke: Mir fehlt die Kraft, all diese Pläne in der Form durchzuziehen, wie ich sie mir im Kopf ausgedacht habe.
Auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, funktioniert für mich nicht.
Und was dabei hintenüberfällt, ist ausgerechnet das, was mir eigentlich Freude machen soll.
Die Dinge, die ich nicht tun muss, weil sie unbedingt erledigt werden müssen. Die Dinge, die mir Energie geben. Die Dinge, bei denen ich irgendwann merke: Genau deshalb mache ich das.
Auch der Blog gehört dazu.
Denn plötzlich ertappe ich mich dabei, dass ich ihn immer häufiger in Zahlen betrachte. Aufrufe. Beiträge. Reichweite. Was funktioniert? Was könnte besser funktionieren? Was könnte man daraus machen?
Das war nie der Grund, warum ich angefangen habe zu bloggen.
Ich wollte schreiben. Beobachtungen festhalten. Bücher vorstellen. Dinge zeigen, die mir aufgefallen sind. Mich mit anderen Menschen austauschen. Manchmal einfach einen Gedanken loswerden, der mir im Kopf herumspukte.
Vielleicht geht es anderen Menschen ähnlich.
Vielleicht kennt ihr das auch: Man beginnt etwas, weil man es liebt. Irgendwann stellt man fest, dass man damit vielleicht sogar etwas erreichen könnte. Und kaum ist dieser Gedanke da, verändert sich der Blick darauf.
Aus Freude wird ein Projekt.
Aus einem Projekt wird ein Plan.
Aus dem Plan werden Ziele.
Und irgendwann sitzt man da und fragt sich, warum sich etwas, das einem einmal so viel Freude gemacht hat, plötzlich nach Arbeit anfühlt.
Genau an diesem Punkt bin ich gerade.
Ich habe in den vergangenen Monaten viel darüber nachgedacht, wie ich den Blog, meine Interessen und meine beruflichen Ideen miteinander verbinden könnte. Und vielleicht ist dabei etwas verloren gegangen, das ich eigentlich bewahren wollte: die Freiheit, einfach zu schreiben.
Auch Instagram hat sich für mich in diesem Zusammenhang verändert. Ich habe die Plattform ursprünglich vor allem als Möglichkeit genutzt, mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die nicht in meiner unmittelbaren Nähe leben. Inzwischen empfinde ich vieles dort als eine einzige große Werbefläche. Jeder macht auf ein Event aufmerksam, überall gibt es Aktionen, Gewinnspiele und den nächsten Content.
Natürlich gibt es wohltuende Ausnahmen. Menschen, deren Beiträge ich wirklich gerne sehe. Aber sie gehen immer häufiger unter dem ganzen Rest unter.
Und auch das merke ich bei mir selbst: Sobald ich das Gefühl bekomme, ständig etwas produzieren zu müssen, verliere ich die Lust.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis, die ich gerade mitnehme:
Nicht alles, was wir lieben, muss einen Nutzen haben.
Vielleicht darf etwas einfach Freude machen.
Vielleicht darf ein Blog auch einmal einen Samstag zu spät kommen.
Vielleicht darf ein Wochenrückblick aus zwei Notizen bestehen und ohne Fotos auskommen, weil ich in dieser Woche eben keine Fotos gemacht habe.
Vielleicht habe ich die letzten Monate zu oft darüber nachgedacht, was aus meinen Interessen werden könnte.
Und sollte stattdessen einfach wieder öfter das tun, womit alles angefangen hat:
schreiben.
Und damit sind wir auch schon bei diesem Wochenrückblick.
Er ist diesmal etwas anders als sonst. Ich habe mir in dieser Woche tatsächlich nur zwei Dinge notiert. Keine zehn kleinen Beobachtungen, keine Fotoreihe, keine Liste von Erledigtem.
Zwei Dinge sind hängen geblieben.
Und wenn ich mir gerade darüber Gedanken mache, was mir beim Schreiben eigentlich wichtig ist, dann passt das vielleicht sogar ganz gut.
Denn beide haben auf ihre Art mit Dingen zu tun, die mir wichtig sind: mit Geschichte, mit Büchern und mit der Frage, was von dem bleibt, für das wir einmal viel Zeit und Aufmerksamkeit hatten.
Samstag, 26. September
Gesehen: Unabomber bei Netflix
Am Nachmittag besuchte ich ein Fest im Nachbarort. Dort lag eine Dorfchronik aus und ich begann darin zu blättern.
Dabei hatte ich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl.
Noch vor einem Jahr habe ich viel Zeit in mein Hobby Familienforschung und Heimatgeschichte gesteckt. Ich habe recherchiert, gelesen, Zusammenhänge gesucht und mich in Geschichten aus der Vergangenheit verloren.
Inzwischen ist dafür kaum noch Raum.
Nicht, weil es mich nicht mehr interessiert. Im Gegenteil. Das Blättern in dieser Dorfchronik hat mir ziemlich deutlich gezeigt, dass dieses Interesse noch da ist. Mir fehlt nur die Zeit, ihm nachzugehen.
Und vielleicht ist genau das etwas, worüber ich gerade nachdenke:
Wie viele Dinge verschwinden eigentlich nicht aus unserem Leben, weil wir sie nicht mehr mögen, sondern einfach, weil andere Dinge ihren Platz einnehmen?
Mittwoch, 30. September
Am Mittwoch erschien mein Beitrag über die Bücher, die ich im September gelesen, entdeckt und vorgemerkt habe.
Und damit bin ich schon bei der zweiten Sache, die mir diese Woche im Kopf geblieben ist: Bücher.
Freitag, 2. Oktober
Am Abend sah ich die Dokumentation The Librarians.
Der Film hat mich nachdenklich und auch traurig zurückgelassen.
In Amerika werden Bücher aus Bibliotheken entfernt, verboten oder zensiert. Es wird darüber gestritten, welche Bücher Kindern und Jugendlichen zugänglich sein sollen. Und Bücherverbrennungen gehören leider ebenfalls zur Geschichte.
Ich saß danach da und dachte darüber nach, wie merkwürdig dieser Widerspruch ist.
Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit der Frage, warum junge Menschen immer weniger lesen und Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Und dann lese ich von Leseförderangeboten, die aus finanziellen Gründen gestrichen werden. Dieser Widerspruch beschäftigt mich.
Lesestapel aus 2025
Ein Thema, das viel zu umfassend ist, um hier eine große Diskussion darüber loszutreten.
Aber es beschäftigt mich.
Vielleicht auch deshalb, weil Bücher für mich nie einfach nur Dinge waren, die man liest.
Sie können Türen öffnen. Sie können Fragen stellen. Sie können Wissen vermitteln, Geschichten bewahren und Menschen miteinander verbinden.
Und vielleicht schließt sich damit auch wieder ein kleiner Kreis zu dem, womit ich diesen Wochenrückblick begonnen habe.
Ich möchte nicht aus allem, was ich liebe, ein Projekt machen müssen.
Ich möchte nicht alles daran messen, was es bringt.
Manches darf einfach bleiben, weil es mir etwas bedeutet.
Das Schreiben gehört hoffentlich wieder dazu.


