Rezension Die Stockholm Protokolle von Noah Berlöf

Klappentext

Die Stockholmer Investigativjournalistin Julia verfolgt eine heiße Spur: Alles deutet darauf hin, dass der charismatische, beliebte Ministerpräsident Schwedens auch dunkle Seiten hat. Der nach außen liebende Familienvater scheint einen Hang zu exzessiven Partys zu haben, die auf Missbrauch schließen lassen. Und er pflegt politische Netzwerke, die einen Rechtsruck bedeuten könnten. Als Julia von ihrem Chefredakteur kaltgestellt wird, ahnt sie, wie hochbrisant die Sache ist. Erst recht als ihr politisch unerfahrener Ehemann, Windkraft-Experte Alfred, plötzlich zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten ernannt wird. Julia kann Alfred nicht sagen, was sie sofort vermutet: Dieser Job wurde ihm nur angeboten, um sie endgültig zum Schweigen zu bringen. Trotzdem beschließt sie, weiter zu ermitteln.
Währenddessen schlägt sich Alfred erstaunlich gut im Polit-Dschungel. Doch in den Korridoren der Macht stößt er auf Betrug und Geheimnisse. Er beginnt nachzuforschen und stellt fest, dass die schmutzigen Geschäfte weit über die Mauern des schwedischen Regierungssitzes Rosenbad hinausreichen …

Fazit

Anfangs habe ich mich mit der Geschichte wirklich schwergetan. Sie wirkte auf mich zäh, fast ein wenig orientierungslos, und ich konnte lange nicht erkennen, worauf alles hinauslaufen sollte. Erschwerend kam hinzu, dass mir das politische System Schwedens und die dortigen Parteien nicht besonders vertraut sind – das hat mein Verständnis zusätzlich gebremst.

Doch je länger ich – auch dank der Leserunde – am Ball geblieben bin, desto mehr hat mich die Geschichte gepackt. Nach und nach entwickelte sich eine spürbare Spannung. Im Kern zeigt der Thriller das, was man wohl überall in der Politik vermutet: Es wird vertuscht, taktiert und im Hintergrund werden Fäden gezogen. Alte „Freundschaften“ aus Jugendtagen öffnen Türen – oder machen es umso schwerer, sich daraus zu lösen. Wer nicht zum inneren Zirkel gehört, hat es deutlich schwerer. Dabei schenken sich Männer und Frauen gleichermaßen nichts – die Intrigen sind auf beiden Seiten spürbar.

Alfred wirkt zu Beginn fast schon erschreckend naiv in diesem Machtgefüge. Auch seine Frau stellt infrage, wie er überhaupt zu diesem Posten gekommen ist, was zu Spannungen zwischen ihnen führt. Sowohl Julia, die als Politikjournalistin aufs Abstellgleis geraten ist, als auch Alfred als Regierungssprecher tragen ihre eigenen Geheimnisse mit sich herum. Erst als beide beginnen, ihre Haltung zu ändern, entsteht ein Team, das der Wahrheit gefährlich nahekommt.

Ab diesem Punkt zieht die Geschichte deutlich an: Die Bedrohung wird greifbar, und plötzlich geht es nicht mehr nur um politische Karrieren, sondern um das eigene Leben – und das ihrer Kinder. Gerade die zweite Hälfte ist dann wirklich spannend und mitreißend erzählt.

Am Ende haben mich die beiden Autoren überzeugt. Ich würde auf jeden Fall wieder zu einem Thriller aus ihrer Feder greifen und bin gespannt auf mehr.

Autoren

Joakim Zander ist EU-Experte und Bestsellerautor

Moa Berglöf war jahrelang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten

Verlagsdaten

Erschienen am 13.03.2026

Rowohlt Verlag, 448 Seiten