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Ein Jugendroman, der mich überrascht hat
Koreanische Geschichte gehört normalerweise nicht zu meinem Alltag – und Jugendromane landen eher selten auf meinem Lesestapel. Umso überraschter war ich, wie schnell mich June Hur abgeholt hat. Man merkt ihrer Schreibweise einfach an, dass ihr die Geschichte ihres Herkunftslandes wirklich am Herzen liegt. In Ein Kranich unter Wölfen führt sie uns erneut tief in das alte Korea, mitten hinein in eine Zeit, in der ein tyrannischer König das Land im Griff hat.

Ein König, der sein Volk knechtet
Yeonsan, der Herrscher dieser Ära, ist grausam, launisch und unberechenbar. Er enteignet sein Volk, verbrennt Bücher und lässt junge Frauen entführen, um sie im Palast festzuhalten. Angst ist sein Werkzeug – aber genau diese Angst bringt auch Widerstand hervor. Eine derjenigen, die sich nicht einschüchtern lassen, ist Iseul. Nachdem ihre Eltern ums Leben gekommen sind, setzt sie alles daran, zumindest ihre Schwester zu retten.
Zwei Perspektiven, ein unterdrücktes Land
Iseul war vorher eher behütet, muss viel lernen und wächst über sich hinaus. Dabei trifft sie auf Prinz Daehyun, der selbst unter dem Schatten des Tyrannen lebt. Je mehr er die Grausamkeit am Hof erlebt, desto deutlicher wird für ihn, dass er sich dem Widerstand anschließen muss – auch wenn ein einziges falsches Wort sein Leben kosten kann.
Eine Liebesgeschichte, die nicht im Weg steht
Die Geschichte wird abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt, was besonders gut funktioniert: Durch Iseul erlebt man die Not des einfachen Volkes, durch Daehyun spürt man die bedrückende Atmosphäre im Palast, voller Intrigen und Paranoia. Das bringt eine spannende Mischung hinein, die das historische Setting sehr lebendig wirken lässt.
Ja, natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte – wir sprechen schließlich von einem Jugendroman. Aber sie bleibt angenehm dezent und drängt sich nie in den Vordergrund. Der Fokus liegt klar auf den historischen Ereignissen rund um den Umsturz von 1506 und darauf, wie die Beteiligten damit ringen, ihren Platz darin zu finden. Und auch wenn das Ende für die Hauptfiguren gut ausfällt, folgt June Hur eher fernöstlichen Erzähltraditionen als dem typischen westlichen Happy End.
Greifbare Figuren und eine gute Balance
Was mich wirklich beeindruckt hat: Die Figuren bleiben glaubwürdig. Sie dürfen Fehler machen, haben Stärken und Schwächen, und wirken dadurch erstaunlich greifbar. Trotz der düsteren Thematik hält sich die Darstellung der Gewalt im Rahmen – passend für ein jugendliches Publikum, ohne die Realität zu beschönigen.
Historisch fundiert, überraschend spannend
Ein Kranich unter Wölfen liest sich vielleicht auf den ersten Blick wie ein K-Drama oder ein Fantasy-Abenteuer, doch tatsächlich erzählt June Hur hier sehr nah an historischen Fakten. Für mich – jemand, der weder in der koreanischen Geschichte noch im Jugendbuchgenre zu Hause ist – war das eine erfrischende und packende Leseerfahrung. Wer neugierig auf eine spannende Mischung aus Geschichte, Spannung und starken Charakteren ist, dürfte hier definitiv fündig werden.
Verlagsdaten:
Autoren: Hur, June
Übersetzer: Sambale, Bernd
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch
Seitenanzahl: 360
Einband: Softcover
Verlag: CROCU
2 Gedanken zu „Rezension – Ein Kranich unter Wölfen von June Hur“
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