Dieser Beitrag ist Teil einer losen Reihe über Frauen, die Geschichte geprägt haben – leise oder laut, bekannt oder vergessen.
Was heute selbstverständlich wirkt, war über Jahrzehnte hart erkämpft.
Mein Beitrag spannt den Bogen von einer der wichtigsten Frauen der frühen Frauenbewegung, Millicent Fawcett, über persönliche Erinnerungen an die Nachkriegszeit bis zur Frage, wo Frauenrechte im Jahr 2026 in Deutschland stehen – für junge Frauen ebenso wie für ältere.
Frauenwahlrecht und Frauenbewegung
Das Frauenwahlrecht, bzw. die Frauenbewegung, hat einen langen Weg zurück gelegt. In der heutigen Zeit ist für manche nicht vorstellbar, dass es einmal anders war. Meine Mutter, Jahrgang 1936 bekam von meinem Vater nicht Erlaubnis arbeiten zu gehen. Dieses Recht wurde 1958 geändert, hatte aber noch bis 1977 seine Stolpersteine. Damals war meine Mutter zweifach Mutter und Hausfrau. Die Frage hat sich für sie nie mehr gestellt.
Die persönliche Geschichte meiner Mutter steht stellvertretend für viele Frauenleben – und sie zeigt, wie nah Vergangenheit und Gegenwart oft beieinanderliegen.

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Das Denkmal, das auf dem Foto gezeigt wird, wurde 2018 errichtet. In einigen kritischen Berichten steht, dass dieser Satz nicht wirklich von Millicent Fawcett ausgesprochen wurde. Für mich ist das auch nicht wichtig. Für mich ist dieses Bild ein Sinnbild.
Wer war Millicent Fawcett?
Dame Millicent Garrett Fawcett (1847–1929) war eine britische Frauenrechtlerin und eine der zentralen Figuren der Frauenwahlrechtsbewegung. Bekannt wurde sie vor allem als Anführerin der gemäßigten Bewegung für das Frauenwahlrecht in Großbritannien.
Der Kampf um das Frauenwahlrecht dauerte rund 60 Jahre. Besonders zwischen 1906 und 1914 beherrschten die Suffragetten die Schlagzeilen. Mit spektakulären Aktionen – eingeschlagenen Fensterscheiben und Brandstiftungen – machten sie auf ihre Forderungen aufmerksam.
Millicent Fawcett wählte einen anderen Weg. Als Vorsitzende der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) setzte sie auf legale, parlamentarische und argumentative Mittel. Ihr Ansatz war weniger spektakulär, aber langfristig wirksam.
Fawcett war zudem Ökonomin. Ihr Buch „Politische Ökonomie für Anfänger“ aus dem Jahr 1870 wurde ein großer Erfolg und zeigt, wie sehr sie politische Bildung als Schlüssel zur Gleichberechtigung verstand.
Obwohl die Frauenbewegung international vernetzt war, wurden ihre Ziele sehr unterschiedlich erreicht. Während sich Frauen in Finnland bereits 1906 das Wahlrecht sichern konnten, erzielten die britischen Frauenbewegungen erst ab 1920 schrittweise Erfolge.
Die Suffragetten
Dieser Begriff begegnete mir 2015 zum ersten Mal. Damals lief der Film „Suffragette-Taten statt Worte“ mit Meryl Streep in den Kinos. Den Trailer hierzu kannst du bei amazon schauen oder bei youtube.
2018 gabe es eine Doku auf Arte mit dem Titel „Die Hälfte der Welt gehört uns„. Aktuell steht sie nur auf youtube zur Verfügung(Stand 2026)
Frauenbewegung heute – was bedeutet das 2026 in Deutschland?
Viele Menschen glauben, die Frauenbewegung sei ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte.
In Deutschland gibt es das Frauenwahlrecht seit 1918. Frauen dürfen wählen, arbeiten, ihr Leben selbst gestalten – also ist doch alles erreicht. Oder?
Die Realität im Jahr 2026 ist komplizierter.
Ja, es gibt sie noch: die Frauenbewegung.
Aber sie ist kein einheitlicher Marsch mehr. Sie besteht aus vielen Stimmen, Generationen und Themen. Sie findet auf der Straße statt, im Internet, in Gesprächen, in Pflegeheimen, Schulen und Arztpraxen.
Frauenrechte entwickeln sich heute nicht nur nach vorne. In manchen Bereichen gibt es Fortschritte – mehr Sichtbarkeit, mehr Offenheit, mehr Sprache für Ungerechtigkeit. Gleichzeitig erleben wir Rückschritte: wachsende Frauenfeindlichkeit, steigender Druck und alte Rollenbilder, die wieder lauter werden.
Unterschiedliche Lebensalter – unterschiedliche Kämpfe
Besonders deutlich wird das, wenn man auf das Alter schaut.
Eine 16-jährige junge Frau wächst heute mit vielen Möglichkeiten auf. Sie darf träumen, studieren, reisen, ihre Meinung sagen. Gleichzeitig steht sie unter enormem Druck: durch soziale Medien, sexualisierte Darstellungen, Hass und Grenzüberschreitungen im Netz. Ihre Rechte sind stark auf dem Papier – ihr Alltag ist oft unsicher.
Eine 60-jährige Frau hat andere Themen. Ihre rechtliche Gleichstellung steht außer Frage, doch ihre Sichtbarkeit nimmt ab. Altersarmut betrifft Frauen häufiger, medizinische Versorgung berücksichtigt ihre Lebensphase oft zu wenig, und ihre Stimme wird schneller überhört. Ihr Kampf ist leiser, aber nicht weniger wichtig: Es geht um Würde, Sicherheit und das Recht, ernst genommen zu werden.
Ein gemeinsamer Faden
Die Frauenbewegung heute verbindet diese Lebensphasen.
Sie sagt: Gleichberechtigung endet nicht mit der Jugend – und Selbstbestimmung beginnt nicht erst mit ihr.
Frauenrechte sind kein abgeschlossener Erfolg, sondern eine tägliche Aufgabe.
Für junge Frauen. Für ältere Frauen. Für alle dazwischen.
„‚Frauen tragen die Hälfte des Himmels‘ – sagt ein chinesisches Sprichwort.“
Linksammlung zum Thema Frauenrechte und Frauenbewegung