Internationaler Tag der Kinderrechte: Herausforderungen und Lösungen

Der Newsletter von unicef erreicht mich zuverlässig, wie erwünscht. Eigentlich bin ich an diesem Tag der Nachrichten müde. Eine innere Stimme lässt mich innehalten und ich öffne den Newsletter doch. Es geht um den Internationalen Tag der Kinderrechte.

Die UN-Kinderrechtskonvention

Der Internationale Tag der Kinderrechte geht zurück auf den 20. November 1989. Der Tag, an dem die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet wurde. Auf der Internetseite des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung findest du folgenden Text:

Durch die UN-Konvention über die Rechte des Kindes von 1989 wurden die Kinderrechte⁠ (Lexikon-Eintrag zum Begriff aufrufen) völkerrechtlich verbindlich ausformuliert. Die Kinderrechtskonvention gilt für alle Kinder und Jugendlichen, die jünger als 18 Jahre sind. Sie umfasst 54 Artikel, die weltweit gültige Maßstäbe für eine kindgerechte Gesellschaft und auch die Aufgaben von Staat und Gesellschaft zur Durchsetzung dieser Rechte beschreiben.

Die Konvention definiert bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte von Kindern. Sie ist in drei Rechtskategorien gegliedert:

Förderrechte, die die Versorgung und Entwicklung von Kindern gewährleisten;

Schutzrechte, die Kinder vor Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und in Flucht- und Krisensituationen schützen sowie

Beteiligungsrechte, die Kindern garantieren, an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt und gehört zu werden.

Mehr Informationen und vor allem einzeln erläutert, was mit den drei Kategorien gemeint ist, findest du hinter dem Link Übereinkommen über die Rechte des Kindes

Was hat das mit mir zu tun?

Als Mitarbeiterin einer Grundschule und Mutter muss ich zugeben, dass ich über die Rechte von Kindern schlecht informiert bin.

Natürlich weiß ich, dass Kinderarbeit verboten ist, was mich nicht daran hindert mein mobiles Endgerät zu nutzen. Und wir wissen alle, dass für den Abbau der notwendigen Rohstoffe, Kinderhände gearbeitet haben.

Hier ein Beispiel aus Madagaskar.

Foto und Text Copyright www.unicef.de

Der 8-jährige Tsifeheza lebt in Madagaskar, wo er mit seinen Eltern in einer Glimmermine arbeitet. Wegen des ausbleibenden Regens mussten sie die Landwirtschaft aufgeben und nun ihren Lebensunterhalt in der Mine bestreiten. Glimmer ist ein Mineral, das in Produkten wie Kosmetika, Farben und Elektronik enthalten ist. In Madagaskar wird die Glimmerindustrie mit wenig Regulierung betrieben, sodass etwa 10.000 Kinder im Bergbau arbeiten. © UNICEF/UNI658491/Andrianantenaina

Was ist Kinderarbeit

Auf der Suche nach einer Definition des Begriffes „Kinderarbeit“ finde ich den Satz:

Kinderarbeit ist eine Arbeit, die Kinder vom Besuch der Schule abhält.

Während hierzulande Kinder und Jugendliche häufig keine Lust verspüren zur Schule zu gehen, weil sie nervt oder langweilig ist, müssen anderswo Kinder arbeiten gehen, um das Familieneinkommen zu sichern oder mitfinanzieren. Sie würden gerne zur Schule gehen, denn Bildung kann für sie ein Weg heraus aus der Misere werden.

Bei Kinderarbeit wird unterschieden zwischen

  • die „gefährliche Kinderarbeit“ (Englisch: hazardous work), das sind Arbeiten mit konkreten Gefahren für Sicherheit, Gesundheit und Entwicklung – zum Beispiel Arbeit in Minen, mit gefährlichen Geräten oder giftigen Chemikalien, Tragen von Schweren Lasten.
  • und
  • Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldat*innen, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können.

Arbeitsschutzgesetze in Deutschland

Doch auch in unserem Land ist oft unklar, welche Rechte Kinder und Jugendliche beim Thema Arbeit haben. Schauen wir nur auf die vielen Schulpraktika. Oft ist Arbeitgebern und Mitarbeitern gar nicht klar, dass es geregelte Pausenzeiten gibt. Bei uns gibt es das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung.

Wie viele Kinder sind weltweit von Kinderarbeit betroffen?

138 Millionen Kinder

138.000.000

Eine für mich unvorstellbare Zahl.

Die Hälfte dieser Kinder sind unter 12 Jahre alt.

Kinderrechte sind Menschenrechte

Szenarium 1

Mittags ist es in unserer Schulmensa oft laut und manchmal richtig voll. 98 Kinder im Alter von 6-10 Jahren essen dort gleichzeitig zu Mittag. Dem ein oder andern gefällt das Essen nicht, das die Eltern bestellt haben. Es wandert umgehend in den Mülleimer.

In einer anderen Teil unserer Welt würden diese 98 Kinder wie oben gefährlicher Arbeit nachgehen. Stundenlang, ohne Essen.

Szenarium 2

Hausaufgabenzeit. Ein Grundschulkind sitzt gemeinsam mit 15 anderen Kindern in einem Klassenraum und macht Hausaufgaben. Die Eltern haben ein Gespräch, es ist Elternsprechtag. Sie fragen, ob sie ihr Kinder außerhalb der Abholzeit bereits mitnehmen können. Natürlich. Warum nicht? Aus meiner Sicht hat es doch zu Hause viel mehr Ruhe für seine Aufgaben.

Das Kind weigert sich. Auch nachdem die Eltern auf es eingeredet haben, möchte das Kind lieber bei uns bleiben. Die Eltern resignieren und gehen ohne Kind, es darf bis zum Ende der Betreuungszeit bei uns bleiben.

Wochen später, nachdem das Jugendamt mittlerweile involviert ist, vertraut es sich mir an. Zu Hause Hausaufgaben machen bedeutet für dieses Grundschulkind, bei jedem Fehler, die ganze Aufgabe ausradiert zu bekommen und wieder von vorne anzufangen. Die harmlose Variante. “ Manchmal bekomme ich auch einen Klaps auf den Kopf“.

Kinderrechte sind Menschenrechte

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Was können wir tun?

Es gibt Möglichkeiten, wenn man helfen möchte. Spenden gehen immer, nehme ich an. Aber wir können auch selber aktiv werden. Ehrenamtlich, z.B. bei Unicef. Mir persönlich gefällt die Aktion „Dein Pfand rettet Leben „.

Oder du schaust hin, hörst zu. An der Stelle, an der du gerade bist.

Es gibt Institutionen, die sich für die Kinder dieser Welt einsetzen. Diese kann man unterstützen.

Sie möchten sich ehrenamtlich engagieren? Großartig! Hier stellen wir einige Aktionen vor, bei denen Sie sich mit UNICEF für Kinder einsetzen können. Lassen Sie sich inspirieren. Oder nehmen Sie Kontakt auf mit einer UNICEF-Gruppe in Ihrer Nähe. Den Wegweiser dazu finden Sie unten auf der Seite.

  • SOS Kinderdörfer
  • Deutsches Kinderhilfswerk
  • Kinderschutzbund
  • terre des hommes
  • National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V.

  • Plan International – Hier möchte ich das Projekt „Another period is possible“ hervorheben. Menstruation ist noch immer ein Tabuthema – und Periodenarmut auch hierzulande ein ernstes Problem: Die Kosten für Menstruationsprodukte stellen demnach insbesondere die 16- bis 24-Jährigen vor Herausforderungen. Erstmalig habe ich tatsächlich von meiner Tochter von diesem Thema gehört. Es ist nämlich ein Thema an ihrer Schule und ich bin ehrlich. Noch nie habe ich mir darüber Gedanken gemacht.

Zum guten Schluss

Ich bin immer wieder überrascht, wohin mich ein Thema führt, wenn ich beginne darüber zu schreiben. Ich möchte neben Büchern, Filmtipps und anderem leichten Geplänkel aufmerksam machen. Eben auch auf unangenehme Themen. Die, die man nicht jeden Tag in den Medien vor Augen geführt bekommt. Dazu eignet sich eben auch, dieser besondere Tag heute.

Der Tag der Kinderrechte