Der Stadtbrunnen von Baesweiler: Ein Stück Geschichte

Der Brunnen, die Bank und wir

Diesen Brunnen habe ich in letzter Zeit sehr häufig fotografiert. Für mich war er bis vor kurzem einfach nur ein Brunnen – einer, den ich schon ewig kenne. Als Teenager stand er noch an einer anderen Stelle, direkt gegenüber der katholischen Kirche.

Nicht sichtbar im Bild ist die alte Bank, auf der wir Mädchen damals saßen – und auf die Jungs warteten, die mit ihren kleinen Motorrädern vorbeikamen. Manchmal hielten sie an, manchmal fuhren sie einfach vorbei. Aber das war egal, denn diese Bank war unser Treffpunkt. Und der Brunnen? Der war einfach immer da.

Foto aus dem Buch „Sammelband Mitteilungen des Baesweiler Geschichtsvereins e.V.“

Vor einiger Zeit habe ich mir in der Stadtbücherei einen Sammelband ausgeliehen und bin dabei zufällig auf die Geschichte des Stadtbrunnens gestoßen. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, dass dieser Brunnen viel mehr ist als nur ein vertrauter Anblick: Er wurde als Denkmal zur Verleihung der Stadtrechte errichtet!

In diesem Jahr feiert Baesweiler nun „50 Jahre Stadtrechte“ – und plötzlich bekommt dieser Brunnen für mich eine ganz neue Bedeutung. Ein Stück meiner Jugend – und zugleich ein Stück Stadtgeschichte.

Symbole einer Stadt: Die Wappen auf dem Brunnen

Nachdem ich das herausgefunden hatte, wollte ich natürlich mehr wissen. Also habe ich mich ein wenig mit der Geschichte und der Gestaltung des Brunnens beschäftigt – und dabei Spannendes über die Wappen und die Idee hinter seiner Form entdeckt.

Das heutige Stadtwappen stammt von einem Schöffensiegel aus dem Jahr 1556. Im oberen Teil ist das Wappentier der Herzoge von Jülich zu sehen. Im unteren Teil zwei Schützenpfeile.

Und genau deshalb lohnt es sich, den Brunnen einmal mit einem zweiten, geschichtlich interessierten Blick zu betrachten. Hinter seinem schlichten Äußeren verbirgt sich nämlich ein durchdachtes Symbol für den Zusammenschluss unserer Stadt.

Entworfen wurde der Stadtbrunnen von Leonhard Heesel, dem damaligen Leiter des Hochbauamtes. In seinen Aufzeichnungen beschreibt Heesel die Idee so:

„Der Grundriss stellt ein vierblättriges Kleeblatt dar, mit vier Brunnenschalen, jeweils 100 Zentimeter im Durchmesser. Die vier Schalen erinnern an die vier selbstständigen Gemeinden, mit eigenem Gemeinderat, die mit insgesamt sieben Ortschaften zu einer Stadt vereinigt wurden.“

Quelle des Geschichtsvereins ist die Broschüre “ Heesel, Leonhard: Baesweiler- eine liebenswerte Stadt – Brunnen und Denkmale“

Der Brunnen ist damit weit mehr als ein gestalterisches Element – er ist ein steinernes Zeugnis der kommunalen Neugliederung. Das Kleeblatt, Sinnbild für Glück und Verbundenheit, steht sinnbildlich für den Neubeginn der 1970er Jahre, als aus mehreren eigenständigen Orten die Stadt Baesweiler entstand.

Wer heute also am Brunnen vorbeigeht, sieht nicht nur ein Stück Stadtbild, sondern ein Denkmal jener Zeit, in der aus Nachbarn eine Gemeinschaft wurde.

Das Wasser des Brunnens symbolisiert diesen Zusammenschluss – es verbindet die vier Schalen miteinander, so wie einst die Gemeinden zu einer Stadt zusammenflossen. An der Brunnensäule sind die Namen der sieben Stadtteile eingraviert:
Baesweiler (mit Beggendorf), Oidtweiler, Puffendorf (mit Loverich und Floverich) sowie Setterich.

Neben den Namen sind reliefartige Wappenzeichen zu sehen – jedes ein Stück Identität, Geschichte und Erinnerung an die frühere Selbstständigkeit der Orte. Für mich als Genealogin ist das natürlich besonders spannend, denn in diesen Symbolen steckt ein Teil der Wurzeln vieler Familien.

Geschichte hat mich schon immer fasziniert – aber Heimatgeschichte und Familiengeschichte ganz besonders. Vielleicht, weil sie uns zeigen, woher wir kommen – und warum Orte wie dieser Brunnen mehr erzählen, als man auf den ersten Blick sieht.

Die sieben Stadtteile

Beggendorf

Drei rote Andreaskreuze auf einem weißen Feld. Es ist dem Wappen der Herren von Beggendorf nachempfunden. Gefunden hat man es auf einem Siegel aus dem Jahr 1259.

Oidtweiler

Durch die Verwitterung und Vermoosung ist das Wappen nicht mehr gut zu erkennen. Es stellt ein Andreaskreuz mit gezahnten Rädern dar und gehörte den Herren von Hompesch.

Puffendorf

Der Turnierkragen gehörte zum Wappen des Drieß von Harff, dem eine Wasserburg als Zuhause diente.

Loverich

Wappen der Herren von Loverich, vier Andreaskreuze im Querbalken

(Foto folgt)

Floverich

Drei Mühleisen und ein Ring waren im Wappen des Rütger von Wierdt zu finden.

Setterich

Die drei Raben auf einem schwarzen Querbalken waren auf dem Wappen der Herren von Reuschenberg zu finden. Sie hatten ihren Wohnsitz auf der Settericher Burg, in der heute eine Seniorenwohnanlage untergebracht ist.

Wenn ich heute am Stadtbrunnen vorbeikomme, halte ich oft einen Moment inne. Früher war er einfach Teil des Stadtbildes – heute ist er für mich ein Stück lebendige Geschichte. Jeder Name, jedes Wappen, jede Linie erzählt von den Wurzeln unserer Stadt und von dem Moment, in dem aus mehreren Gemeinden eine Gemeinschaft wurde.

Vielleicht geht es dir beim nächsten Spaziergang durch Baesweiler genauso. Manchmal braucht es nur einen genaueren Blick, um zu erkennen, dass selbst die vertrautesten Orte mehr zu erzählen haben, als man denkt – über unsere Geschichte, unsere Heimat und vielleicht sogar ein kleines Stück über uns selbst.

Danksagung

Ich danke dem Geschichtsverein Baesweiler e.V und Dr. Ulrich Schroeder, der im Mitteilungsblatt des Vereins, 2015 die Geschichte unseres Stadtbrunnens veröffentlicht hat. Seine Recherchen machen diesen Blogbeitrag erst möglich.