Erinnerungen
Mein heutiger Rückblick startet mit einem Rückblick ganz anderer Art. Als ich dieser Tage in aller Stille in meinem Wohnzimmer saß, kam mir meine Oma in den Sinn. Die Mutter meines Vaters. Ich weiß sehr wenig über die Eltern meines Vaters. Viel zu spät habe ich mich für sie im Zuge meiner Familienforschung interessiert. Doch das ist eine andere Geschichte. Zurück zu meiner Oma.
Vor meinem inneren Auge stieg das Bild vor mir auf, wie ich sie in Erinnerung habe. Als Kind habe ich sie immer sonntags mit meinem Vater besucht. Sie wohnte nur ein paar Straßen von uns entfernt, aber meine Mutter hatte entschieden, dass wir bzw. ich nur minimalen Kontakt zu ihr habe. Zur ganzen Familie meines Vaters. Meine Oma wohnte in einer Sackgasse, die Straße führte genau auf ihr Zechenhaus zu. Zwei Haustüren nebeneinander. Rote Backsteine. Der Eingangsbereich war eng, die Treppe nach oben beherrschte den Flur. Links ging es in das Wohnzimmer. Und dort saß sie immer in ihrem Holzstuhl und schaute in die Welt nach draußen. Sie sah die Straße, die zur Haupstraße führte, ein Spielplatz mit einem riesigen Kletterpilz und die Gärten der Häuser an der Hauptstraße und der Nebenstraßen.
Als Kind habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wenn sie davon sprach, dass „einmal nur noch ihre Heimat sehen möchte“. Das war so in den siebziger Jahren, damals war ich ca. 8-9 Jahre alt und sie um die sechzig. Ich kann es nicht mehr genau festlegen. Jeden Tag saß sie also mit 60+ in diesem Stuhl und träumte davon, einmal noch ins Saarland zu fahren. Denn dort wurde sie 1912 geboren.

Beispielbild von der KI erstellt.
Sie starb 1991 und ist nie mehr dort gewesen. Sie hat zwei Weltkriege mitgemacht, fünf Kinder bekommen, vier davon während der Kriegszeiten und der Evakuierung alleine groß gezogen. Was hat diese Frau in ihrem Leben alles erlebt? In meinen Erinnerungen ist sie reduziert, auf die Frau, die mit sehnsuchtsvollem Blick aus dem Fenster schaut und ihre Heimat noch mal sehen will.
Heute keine Tagebuchform
Bereits gestern habe ich vor dem PC gesessen und festgestellt, dass es schwer wird den Beitrag in Tagebuchform zu schreiben. Denn ich habe vergessen, mir Notizen zu machen. Nach einigem Hin und Her, habe ich mich jetzt entschieden, ihn so zu schreiben, wie du ihn hier vor dir hast. In der nächsten Woche hat er dann wieder seine Form.
Fernsehen und mehr
Mein Jahresabo bei waipu.tv läuft in den nächsten Tagen aus und es fällt mir schwer mich, für ein neues zu entscheiden. Es würde mich nicht wundern, wenn ich erst einmal ohne Fernsehen weiter mache. Letztes Wochenende habe ich mir noch eine neue Serie mit 2 Staffeln angeschaut. Doch nur die 1. Staffel war wirklich gut.

Du kannst sie bei prime video streamen.
Es fällt mir aktuell sehr schwer, passende Filme oder Serien zu finden. Mehr Zeit zum Lesen würde die Eremitin jetzt sagen.
Am Montag war ich mit der Kollegin im Kino. Der neue Superman ist halt ein Superman. Die Geschichte bleibt im gewohnten Rahmen. Bis zu dem Punkt,als der Hund entführt wurde. Lach.
Auf den Hund musst du bis zum Ende des Trailers warten. Tiefgang erwartete ich bei diesem Film nicht. Ich möchte einfach unterhalten werden und das ist den Machern gelungen. Wer Tiefgang sucht, findet ihn ansatzweise in den Worten des Ziehvaters über die Aufgabe von Eltern oder in der Erkenntnis, dass das blonde Dummchen, gar nicht dumm war und so nur alle getäuscht hat.
Zeit zum Lesen
Genau die habe ich mir genommen. Die Trilogie Wintertöchter war wirklich ein Erlebnis. Die Geschichte hängt mir noch immer nach, sodass es mir schwerfällt, mich in eine neue Geschichte zu finden. Meine Rezension zu schreiben, ermöglichte mir einen Nachhall.

Dienstag, 05.08.25
Für den Dienstag gibt es einen Tagebucheintrag, den ich jetzt einfach so stehen lasse.
Liebes Tagebuch,
der Abend endete mit einem Paukenschlag. Zumindest für mich. Nachdem ich total entspannt von einem Abendplausch mit der Küsterin zurückgekommen war, nahm mich mein E-Book und wollte die letzten Kapitel aus Die Wintertöchter lesen. Mein Auge juckte, ich tat, was ich immer tat und weil es nicht aufhören wollte, nahm ich mir den Spiegel. Voll panisch schaute mich ein blutunterlaufenes Auge an. Der Arztbesuch am Mittwoch hat mich total beruhigt, aber der Moment, als ich mich selber erblickte, löste bei mir Panik aus. Der Grund für meine Panik waren die Unkenrufe in meinem Kopf. Darum erwähne ich es überhaupt. Mir war klar, dass es total harmlos war, doch die mahnenden Stimmen der anderen Menschen in meinem Umfeld brachte mich aus dem Gleichgewicht. Diese Episode zeigt mir, dass es dringend Zeit für ein Umdenken bzw. einen anderen Weg einschlagen ist. Die Unruhe, die Tränen, die Unzufriedenheit wären nicht, wenn ich bei mir bliebe. In meiner Kraft, in meiner Mitte.
Am Vormittag war ich beim Strickfrauentreffen. Ich brauchte dringend die Unterstützung der Nadelfreundinnen. In der vergangenen Woche war dieser Pfau in meinen Einkaufswagen gehüpft und was soll ich sagen – Aaaah, man schenke mir Geduld.

Zeit zum Umdenken
Das liest sich so leicht. Ist es aber nicht. Vielleicht ist es mir deshalb auch so schwergefallen, eine neue Lektüre zu finden oder passende Flimmerkisten-Unterhaltung.
Meine Lebensuhr, auf einer Beerdigung wurde sie mit einer Sanduhr verglichen, läuft. Ich habe mir Zeit genommen, meiner inneren Stimme zu zuhören, was ich schon lange hätte tun sollen. Habe sie nicht betäubt. Und natürlich habe ich Tagebuch geschrieben. Offline. Mit der Hand. Meditieren und schreiben hat mir schon immer geholfen, in meine Mitte zu finden. Manchmal habe ich auch einfach nur dagesessen und auf das geschaut, was mich umgibt. Und mich gefragt, was hiervon ist ziemlich überholt. Was ich in meinem Leben nicht mehr brauche oder was ich einfach nicht hergeben möchte. Hier fand ich dann schon eine tiefere Erkenntnis. Jetzt heißt es ihr Raum im Leben zu geben.
Nicht nur meditiert oder nachgedacht,
sondern auch aktiv sein. Sonst wäre ich nicht ich. Also war ich unter anderem lecker Essen (siehe Tagebucheintrag) und hatte eine interessante politische Unterhaltung. Bin mit dem Hund zwar immer dieselben Strecken gegangen, aber ohne mobiles Endgerät. Was zur Folge hat, dass es weniger Fotos gibt.
Die Frage einer Frau aus dem abendlichen Hundetreff, hat meine Leidenschaft zur Familienforschung angefacht. Ich habe mein Abo noch mal verlängert. Denn ich habe da noch ein paar Fragen offen.
Eine Radtour übers Land ergab ein schönes Video. Und ja, ich liebe meine Heimat. Hier bin ich zu Hause. Es gibt so viel zu entdecken, wenn man nur die Türe öffnet und hinausgeht. Ich bin in meinem Alltag so gefangen auf den 750 m Arbeitsweg und dem Wocheneinkauf, dass ich ganz dringend daran arbeiten möchte, hinauszugehen. Ich wünsche mir im Wald und am Wasser zu wohnen und sehe nicht, wo ich lebe und wie schön es hier ist.
Mit dem Video schließe ich den Rückblick.
Ich wünsche dir eine schöne Woche und danke, dass du mich besucht hast.