Freitagsfüller #9-2024 – heute keine Satzfragmente. Nachdenkliches zum Wirken eines Menschen

Mein Freitag kommt heute leise und nachdenklich daher. Eine liebe Kollegin aus dem Lehrerkollegium, dir mir besonders in den letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen ist, wird sich heute auch von mir verabschieden. Dazu kommt eine Beerdigung, in den vergangenen Tagen, einer Kollegin aus der Nachbar-OGS, die ich nur flüchtig kannte und doch war es mir wichtig , ihr die letzte Ehre zu erweisen. Genau wie die vielen, vielen Menschen die ihr deutlich näher standen. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das und die Worte eines Priesters, dem die Stimme versagte, weil auch er ihren Verlust spürt, machen mich in dieser Woche mehr als nachdenklich.

Ein Mensch wirkt immer . Die Frage die mich beschäftigt ist, wie möchte ich wirken. Ich habe immer Menschen bewundert, die für ihre Sache, dass was ihnen wichtig war, aufgestanden sind oder aufstehen. Laut werden. Doch so viele stehen leise ein für das was ihnen wichtig ist. Es muss sie beide geben. Die lauten und die leisen. Manchmal verbunden in einem Menschen.

Es geht mir nicht um meine Wirkung auf andere Menschen und ob sie mich toll finden oder nicht. Es geht um das Wirken für die Menschen. Ganz egoistisch möchte ich mir morgens im Spiegel in die Augen sehen. Und ich glaube zu verstehen, zumindestens ansatzweise, was die Menschen dazu bewegt, über die Grenzen die ihnen gesteckt werden, hinaus zu wachsen. Den in den letzten Tage fühle ich in mir den Wunsch zu sagen „das kann so nicht weiter gehen “ , “ ich kann da nicht einfach weiter zu schauen“, was kann ich tun ?“.

Gestern habe ich den Mund aufgemacht. Ausgesprochen was mir nicht gefällt, was ich nicht verstehe, wo mir die Menschlichkeit fehlt. In diesem einem Moment war es mir egal, welche Konsequenzen es für mich hat. Natürlich ist mein Leben nicht in Gefahr und auch nicht das meiner Familie. Keine Ahnung wie ich dann reagieren würde.

Ich habe für mich eine Grenze überschritten.

Ich gehöre zu den lauten Menschen. Ich kommuniziere laut und offen. Halte wenig zurück. Bekomme vorgeworfen zu laut, zu aktiv, zu emotional zu sein. Ich werde falsch eingeschätzt, weil man nur auf die Worte hört, nicht auf die Zwischentöne. Die Zwischentöne kann man hören, wenn man mir zuhört und nicht schon im Kopf eine Antwort formuliert, sich positionieren will, weil man sich angegriffen fühlt. Ich poltere, polarisiere, lasse viel zu oft, viel zu wenig Raum für mein Gegenüber. Das weiß ich. Das ist meine Außendarstellung.

In meinem Inneren geschehen andere Dinge. Leise. Meine Lebenseinstellung ändert sich, jeden Tag ein bißchen mehr. Denn ich schöpfe Mut aus den Geschichten der Menschen, die ihren Weg gehen, ihr Ziel vor Augen haben, egal wie lange es dauert, dieses zu verwirklichen. Ich schöpfe Mut aus den Geschichten derer die leise gewirkt haben oder wirken. Ich schöpfe Mut aus den Geschichten derer die laut gewirkt haben oder wirken.

Dafür bin ich dankbar.

22 . März 2024

2 Gedanken zu „Freitagsfüller #9-2024 – heute keine Satzfragmente. Nachdenkliches zum Wirken eines Menschen

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